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Gerhart von Schulze Gaevernitz : eine Darstellung seines Wirkens und seiner Werke
Entstehung
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im Kriege, die ihmein Recht auf das Gehör der Gegner undNeutralen" verschaffe.Es gilt", so führt er aus,den Vertrag,soweit er erfüllbar ist, ehrlich zu erfüllen, soweit er unerfüllbarist, ehrlich zu revidieren zu revidieren durch die sieghafteMacht des Rechts- und Freiheitsgedankens, auf dessen Boden derjunge deutsche Freistaat errichtet worden ist." Schulze Gaevernitzwäre nicht umsonst als mutvoller Vorkämpfer eines Verständigungs-friedens aufgetreten, wenn er nicht auch in dieser Schrift aus-drücklich betonte:das neue Deutschland kann nichtscharf genug von seiner Vergangenheit abrücken.Es ist weit davon entfernt, die Schuld des zusammengebrochenendeutschen Militarismus zu leugnen oder den säbelrasselnden Bra-marbas zu rechtfertigen, der uns in der ganzen Welt verhaßt gemachthat." Unter Militarismus versteht er einen Zustand, in demmilitärische Gewalten letzte politische Entscheidungen an sich reißen,ohne die staatsrechtliche Verantwortung zu übernehmen. In der

Bleichen Schrift weist er darauf hin, daß das neue Deutsch-an d im Winter 1918/19 eine historische Großtat verrich-tete. Arbeiter, Kinder des Volkes, seien es gewesen, die an derSpitze der Regierung den Bolschewismus von Europa abgewehrt unddamit den Dank der Menschheit verdient hätten. Bei der engenVerflechtung Deutschlands mit der Weltwirtschaft müßten dieanderen Länder ein Interesse daran haben, Deutschland wirtschaft-lich wiederherzustellen. Wie schon im Mai 1918 verlangt erauch jetztnichts als gleiches Recht für alle und allgemeinegegenseitige Meistbegünstigung im Handel undVerkehr".

Als die Abstimmung über Oberschlesien herannaht, tritt er alsgeborener Schlesier lebhaft für eine gerechte Grenzziehung ein undeilt zu diesem Zweck nach London. Es war nicht seine Schuld,wenn seine Stimme ungehört verhallte. Hätte man vor der Ab-stimmung deutscherseits die von Schulze Gaevernitz befürworteteAgrarreform energisch durchgeführt unddem polnischenProletariat auf Kosten des Magnatenbesitzes den ersehntenLandanteil verschafft", das Ergebnis wäre vielleicht doch einanderes gewesen!

Mit derAuflösung der Nationalversammlung warSchulze Gaevernitz' parlamentarische Tätigkeit beendet,da ihn die Demokratische Partei Badens aus unerklärlichenGründen zur Wahl des ersten republikanischen Reichstagesnicht wieder auf ihre Liste setzte. Aber sein poli-tisches Wirken war damit keineswegs eingestellt. Vor allem wares sein Bestreben, Deutschland wieder in der übrigen Welt zuAnsehen zu verhelfen. Im Oktober 1920 gehört er zu den wenigenDeutschen, die an der Wirtschaftskonferenz des Fight the fa-min e Council teilnehmen, im Oktober des folgenden Jahresspricht er auf dem Internationalen Freihandelskongreßin Frankfurt a. M. und tritt hier für die Freiheit der Menschen-bewegung über den ganzen Globus ein, und wiederum im Oktober,und zwar 1922, präsidiert er gemeinsam mit dem französischen