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Gerhart von Schulze Gaevernitz : eine Darstellung seines Wirkens und seiner Werke
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tum und Aufklärung dadurch überwand, daß er sie beide zu! höhererEinheit emporführte." Nicht besser kann Schulze Gaevernitz'Denkungsart und Wesen gekennzeichnet werden, als durch dieWorte, die wie eine Mahnung in unseren Tagen eines oberflächlichenNationalismus und krassen Materialismus klingen:Hüten wirDeutsche uns vor dem Wahne, die Erbpächter des Idealismus zusein. In Weltanschauungsfragen muß jedes Geschlecht neu er-werben, um zu besitzen."

Schulze Gaevernitz widmet seine Untersuchungen zunächst denGrundgedanken, die den britischen Imperialismus begründeten. Wirfinden in seinen Büchern manche Ideen wieder, die wir schon ausseinen Jugendwerken kennen.Aufklärung und IdealismusBentham und Carlyle Ricardo und Ruskin Cobden und) CecilRhodes Manchestertum und Imperialismus: dies sind dieGegensätze, in denen sich das politische und volkswirtschaftlicheDenken des englischen Volkes im 19. Jahrhundert bewegt." ImManchestertum sieht erden jüngsten und höchsten Sproß amBaume der englischen Aufklärung". Die Manchesterpolitikführte zum Freihandel und machte damit England zumMittelpunktderWelt Wirtschaft. Carlyle, der Nachkommeder Puritaner, wirdder Vater der imperialistischen Gedanken".Zur angelsächsischen Kulturgemeinschaft zählen die britischen Im-perialisten auch die Vereinigten Staaten. Niemand scheint mehrden imperialistischen Typus zu verkörpern als Cecil Rhodes, erwarkein Junker, noch weniger ein Kleinkapitalist. Als selbst-geschaffener Archimillionär stand Rhodes in einer Welt des durchge-führten Kapitalismus. Aber die letzten Ziele eines Rhodes lagenjenseits des Gelderwerbs. Nach seiner Pfeife tanzte der Kapitalis-mus, und Rhodes machte das Kapital politischen Zwecken dienstbar."So sollte er den deutschen Wirtschaftsführern zum Vorbild dienen.Die imperialistische Wirtschaftspolitik Englands gipfelt nach SchulzeGaevernitz' in dem Bestreben derWeltherrschaft derangelsächsischen Rasse und Kultur" und derpoli-tischen Organisation des Weltreiches". Zu diesem Imperialismusgehörte nach der Meinung vieler seiner Anhänger der Freihandel,während andere, wie Chamberlain, aus dem britischen Weltreichein abgeschlossenes Wirtschaftsgebiet schaffen wollten.

An der Spitze der britischen Volkswirtschaftstehtein neuer Typus Mensch und greift nach dem Steuer".. Es istder Financier, der an dieStelle des in der Heimat wurzelnden,mit Gebäuden und Maschinen beschwerten industriellen Unterneh-mers tritt, welcher Werte schafft, um sie möglichst schnell wiederabzustoßen", Entwicklungen, gegen die heute wieder Ford in Amerikaprotestiert. Diese Wirtsehaftszustände führen nach Schulze Gaever-nitz zur kapitalistischen Erschlaffung:auf den Höhen des Rentner-staates hat England die schwebenden Gärten der Kunst errichtet".In den quadergefügten Untergeschossen, auf denen der gewaltigeKulturaufbau ruht, nimmt unser Auge heute leise, aber doch ver-räterische Sprünge und Risse wahr." Doch warnt Schulze Gaever-nitz vor Uebertreibungen, er weiß, daßbritische Patrioten die