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Gerhart von Schulze Gaevernitz : eine Darstellung seines Wirkens und seiner Werke
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und so die engnationalistische Ostmarkenpolitik Bülows zur Sozial-politik steigerte". Auf Hechts und Schulze Gaevernitz' landwirt-schaftliche Studien geht vielfach Eduard David in seinem BucheSozialismus und Landwirtschaft" zurück, das eine wichtige Wendungdes sozialistischen Denkens in Deutschland einleitete. David sah indem Kleinbauern einen Arbeiter, der im Besitz seines Produktions-mittels, des Landes, durch Genossenschaften geführt werden sollte,und wandte sich damit von der älteren marxistischen Lehre ab.

Schulze Gaevernitz hat sich stets mit warmer Ueberzeugung 1 ü rdie verarbeitende und verfeinernde Industrie ein-gesetzt und ihre wirtschaftlichen Erfolge als Grundlage allerSozialpolitik bezeichnet. Er ist aus diesem Grunde auch dem Werk-bunde als Mitglied beigetreten. Ein Industriespezialist wie ProfessorHerbert von Beckerath in Bonn gehört zu seinen nächstenSchülern.

An Schulze Gaevernitz' Studien auf dem Gebiete des Bankwesensknüpft Professor Sven H e 1 a n d e r - Kiel in seinem WerkDieTheorie der Zentralisation im Notenbankwesen"{Jena 1916) an, in dem er das Wesen der Zentralnotenbank unter-sucht. Diese Zentralnotenbank, die früher nur den Zwecken desGeldwesens diente, sucht heute die Wirtschaft von einem Zentral-punkte aus zu regeln und von der Zentralnotenbank zur Zentral-bank aufzusteigen.

Eine Reihe der angesehensten jüngeren Natio-nalökonomen, die heute die deutschen Universitäten zieren,zählen zu Schulze Gaevernitz' Schülern, hierzu gehören sein alterJugendfreund Heinrich Sieveking in Hamburg, dann die Pro-fessoren Qoetz Briefs in Freiburg, Carl Brinkmann in Heidel-berg, Wilhelm Prion in Berlin, Theodor Plaut in Hamburg,Georg Obst in Breslau und Hans Pro es ler in Nürnberg.

Neben den Trägern heute schon anerkannter Namen und allendenen, die als praktische Volkswirte im Geiste von Schulze Gaever-nitz zu wirken suchen, sind es Tausende, die als Schülerin den Kollegs zu seinen Füßen saßen oder in seinen Seminarenzu ernster und strenger Arbeit von ihm angeregt wurden. Wie; eran sich die höchsten Anforderungen stellt, so war er kein Meister,der seinen Gesellen ein leichtes Stück aufgab. Nur in der Selbst-zucht sieht er den Weg zum Idealismus. Als Ausklangmögen deshalb die Worte hier stehen, die er vor Jahren in seinemAufsatzRandbemerkungen zum deutschen Idealis-mus" schrieb:Mutig über alle Verneinung hinausdurch die Tat ein höheres Leben ewiger Werte zuergreifen, ist für mich der innerste Inhalt desdeutschen Idealismus."

Wie der Verfasser dieser Arbeit als Motto ein Wort des. Mannesvorausgesetzt hat, dessen Wirken und Werke er darzulegen ver-suchte, so wüßte er zum Abschluß nichts besseres als jene Zeilenwiederzugeben, mit denen Schulze Gaevernitz ihm gegenüber jüngstein Bekenntnis über seine Lebensarbeit und seinLebensziel abgelegt hat.Ich bin mir bewußt", so schreibt er,