Druckschrift 
Zur Wiedergeburt des Abendlandes / von Gerhard von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
Seite
108
Einzelbild herunterladen
 

friedigt den Geschlechtstrieb, ohne sich fortzupflanzen. Derdem Kulturdasein entgleitende Mensch sinkt unterdie Tierheit als eine aussterbende Spezies.

Entscheidend vor allem ist die unterbewußte Einstellung zuMutter und Vater. Das schuldlose Vertrauen, welches dasKind aus dem Mutterschoße mitbringt, soll sich schrittweisevon den Eltern ablösen und zur Lebensbejahung wie zumGottesglauben ausreifen. Aber in vielen Fällen wird die ne-gative Einstellung zur Mutter, zum Vater oder gar zu beiden,zum Lehrer und zum Erzieher zur Ursache unterbewußterHemmungen, die das ganze Leben begleiten und verderben.Furcht treibt das Kind in sich selbst zurück. Auf diesem Bodenerwächst jene Ichsucht, die sich verschieden nach der Ver-anlagung in Ohnmacht, Neid, Mißgunst, Streit, Haß undTrotz, kurz im großen Nein äußert, bis zur Selbstvernichtung,zum Wahnsinn, zum Selbstmord. Neben der Entartung desKörpers lastet auf dem Abendländer unserer Tageder Men-schen Seele Not". (Bircher-Benner .)

Von allen verdrängten Trieben wird die Sexualität, diesegroße und heilige Gottesgabe, zum mächtigsten und gefährlich-sten Empörer. Sexus schlummert zunächst im Unterbewußt-sein, tritt erst mit der Pubertät in das Bewußtsein, aber äußertsich schon im frühen Kindesalter. Eltern sollten die sexuellenRegungen des schuldlosen Kindes nicht zur Sünde stempelnund bestrafen, sondern in ihnen Äußerungen gesunder Voll-kraft des Lebenstriebes erblicken, welcher im späteren Lebenden höchsten Menschheitszielen dienstbar gemacht werdenkann. Über die weitverbreitete, vielleicht allgemeine Selbstbefrie-digung als Notbehelf führt die gesunde Entfaltung des Triebes zur Aufsaugung der Sexualhormone durch den Körper, zurSelbstbeherrschung und zur Lebensfreude zur Freundschaftmit dem anderen Geschlecht, zur Gewinnung des sexuellenPartners, zum Liebesfrühling und zur Fruchtreife des Eltern-glückes zur Übertragung des Sexualtriebes auf höhereWerte, zur Gestaltung und zur Eroberung der Welt. NichtsGroßes in Wissenschaft und Kunst, wohl auch in Wirtschaft

108