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Zur Wiedergeburt des Abendlandes / von Gerhard von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
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mus, aber ohne den Ideengehalt des Mittelalters. Die Herren-schicht benutzt die Traditionen des Obrigkeitsstaates, der Nah-rungsidee, des Patriarchalismus, ohne selber mehr an solcheDinge zu glauben. Sie selbst ist innerlich dem Unglauben ver-fallen. Gestützt auf staatliche Machtmittel, könnte dieser Zu-stand durch lange Zeiträume fortdauern auch unter demScheine desDritten Reiches ", wenn dieses reaktionärenZwecken sich dienstbar erwiese.

Auf der Weltbühne stehen Gläubiger und Schuldnervölkersich gegenüber. Auch diese Herrschaft könnte durch poli-tische Machtmittel festgelegt werden, etwa durch Kolonial-und Seegewalt. In der großen Welt diente dann die PaxAnglo-americana dem Rentncrtum deridle rieh" nach BernhardShaw, im engen Europa die französische Militärgewalt denNutznießern der Friedensverträge. Die Massen der farbigenMenschheit hätten für rentnerische Gläubiger zu frondennicht anders, als die weißen Heloten Mitteleuropas . Wie lange?

Um so näher liegt die zweite Möglichkeit: der jähe Umsturzdieses brüchigen Gebäudes. Allenthalben schwelt unter den be-stehenden Staats- und Wirtschaftsformen die verheerende Glutdes Bolschewismus, besonders dort, wo entlandeten Unter-schichten der Weg zur Scholle versperrt ist. Die Proletarier,ganze Proletariervölker revoltieren gegen die Ausbeutungdurch heimischen Kapitalismus und fremden Imperialismus,gegen jene Gentlemen, welche dieBürde des weißen Mannes"in tadellosem Evening dress bei einem Glase Portwein tragen,oder gegen jene Kleinrentner, die in bescheidener Weise dasgleiche tun, bei einem Glase Absynth im Cafe der französischenProvinzstadt. Die revolutionäre Welle steigt auf mit um somehr Aussicht auf Erfolg, je mehr die Herrenklasseverfettet".

Diese Wendung liegt um so näher, als auch die EingeborenenIndiens, Chinas, Afrikas von der abendländischenBegehrlich-keit" angesteckt werden. Wie beim Bourgeois, so fallen allent-halben auch beim Proletarier die Erbbestände religiöser undidealistischer Bindung. Der Klassenkampf wird zum brutalenKampf um den Futterplatz, getragen von Haß, Neid und Ich-

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