die Landwirte unter dem Sinken des Getreidepreises keines-wegs gelitten. Auch Messance geht ähnlich wie Postlethwaitin erster Linie von dem Gesichtspunkte des gesteigerten Ver-brauchs aus, obgleich er auch eine Steigerung des Fleifses undder Arbeitskraft infolge niedrer Getreidepreise und höhererLöhne andeutet. In der Wollweberei zu Elboeuf und denSeiden- und Leinenwebereien zu Rouen habe man hierfürBelege. Messance teilt eine Anzahl von Tabellen mit, welcheihm als Steuerempfänger zu Gebote standen; aus ihnen gehtin der That für die Zeit von 1740—63 hervor, dafs die Jahreteurer Getreidepreise meist Jahre geringer Produktion gewesensind und umgekehrt, dafs jedenfalls die teuersten die geringste,die billigsten die gröfste Produktion aufwiesen.
5) Jedoch war die Lehre des Adam Smith weit entfernt,sofort durchzudringen. Vielmehr stand mit ihr die fast all-gemein angenommene Lohnlehre Ricardos in Widerspruch.Zwar giebt Ricardo ausdrücklich zu, dafs das Lebensminimum,an welches nach ihm der Arbeiter gefesselt ist, von der ge-wohnheitsmäfsigen Lebenshaltung abhängt. Jedoch tritt beiseinen weiteren Ausführungen wie bei seinen Anhängern diesegewohnheitsmäfsige und steigerungsfähige Grenze hinter dembaren, lediglich durch physiologische Gesetze bestimmtenExistenzminimum zurück. Die wirtschaftliche Blüte einesLandes, d. h. nach dem privatwirtschaftlichen StandpunktRicardos, der Gewinn der Unternehmer beruht für ihn aufniedren Löhnen. Daher seien Länder, in denen der Lohn tiefstehe, im Vorteil vor Ländern mit hohen Löhnen; in letzterenLändern sei das Kapital solchen Verwendungen zuzuführen,bei denen die wenigste Arbeit im eigenen Lande erforderlichsei — ein Rückschritt der Theorie gegenüber Tucker 1 . Nach
1 Vergl. über Ricardos Stellung: Herkner, Die sociale Reformals Gebot des wirtschaftlichen Fortschritts. Leipzig 1891 S. 12.