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Der Grossbetrieb : ein wirtschaftlicher und socialer Fortschritt ; eine Studie auf dem Gebiete der Baumwollindustrie / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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Ricardo bedeutet daher die grofsindustrielle Entwicklung, welcheer bei'eits vor Augen hat, keineswegs zugleich eine sociale Ent-wicklung; wie sehr die Volkswirtschaft auch fortschreite undder Reichtum sich vermehre, der Arbeiter bleibt an das Lebens-minimum gefesselt was A. Joung als praktische Forderungausgesprochen hat, ist bei Ricardo Naturgesetz.

Während Ricardo selbst auf kapitalistischem Boden steht,ist seine Lohnlehre der Ausgangspunkt aller derjenigen Rich-tungen geworden, welche die gegenwärtige, auf Freiheit undEigentum beruhende Wirtschaftsentwicklung grundsätzlich be-kämpfen : sowohl der radikalen wie der reaktionären Socialisten.Für beide ist der Satz unentbehrlich, dafs auf Grund der be-stehenden Wirtschaftsordnung der Arbeiter keinesfalls empor-steigen könne, vielmehr unrettbar an das Lebensminimum ge-fesselt sei. Nur eine gänzliche Umgestaltung der Grundlagendieser Ordnung, die Aufhebung von Freiheit und Eigentum,könne den arbeitenden Klassen Rettung bringen. Der Um-schwung werde aber dadurch ermöglicht, dafs in dem heutigenWirtschaftssystem die Kluft zwischen Besitzenden und Besitz-losen immer grösser werde. Die Expropriierten expropriierenzuletzt die Expropriateure.

Auf das deutlichste ist die Lohnlehre Ricardos die Grund-lage des Comm unistischen Manifestes, in welchem Marxund Engels zuerst das Programm der festländischen Social-demokratie formulierten. Jene Lehre tritt hier in der ausdrück-lichen Fassung auf, dafs es die moderne Grofsindustrie, ins-besondere die Maschine sei, welche den Arbeiter unaufhaltsamherabdrücke.Die Arbeit der Proletarier hat durch die Aus-dehnung der Maschinerie und die Teilung der Arbeit allenselbständigen Charakter und damit allen Reiz für die Arbeiterverloren. Die Kosten, die der Arbeiter verursacht, beschränkensich daher fast nur auf die Lebensmittel, die er zu seinem