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und Eigentum gegründete Wirtschaftsordnung und besondersdie auf dieser Grundlage erwachsene Grofsindustrie denArbeiter unrettbar herabdrücke. Weit entfernt, dafs die wirt-schaftliche Fortentwicklung zugleich socialen Fortschritt be-deute, wird vielmehr in Beseitigung der „Principien von 1789"und in Rückkehr zu dem alten zünftigen Gewerberecht mitstaatlicher Lohnfestsetzung das Heil erblickt.
So beschuldigt Lavergne-Peguilhen das gegenwärtigeWirtschaftssystem eines unversöhnlichen Gegensatzes zwischenKapital und Arbeit. Es laste auf dem Arbeiter schwerer alsder mittelalterliche Feudalismus und selbst die Sklavenwirt-schaft 1 . Ähnlich redet Hermann Wagen er von derheutigen Wirtschaftsordnung als einem „Verzweiflungs- undVernichtungskampf, der überall nur zu der völligen socialenund politischen Unterwerfimg der minder mächtigen, dermodernen herrenlosen Sklaverei führen könne" 2 . Die Bourgeoisielade den Arbeiter „wie einen Lahmen zu einem Wettrennen"und habe ihn unter dem als Hohn empfundenen Vorwandeder Freiheit der Gewerbe durch das Übergewicht ihrer Mittelvom Gewerbe ausgeschlossen. Gewerbefreiheit bedeute fürden Arbeiter nichts als die Freiheit, sich das Gewerbe auszu-suchen, worin er Hunger leiden wolle 8 . Ja, die Grofsindustriebedürfe des Pauperismus, damit der Preis der Arbeitskraft
1 Lavergne-Peguilhen, Die konservative Sociallehre. II. Heft,die organische Staatslehre. Berlin 1870 (gesammelte Aufsätze aus denfünfziger und sechziger Jahren) S. 128, vergl. auch S. 59, 60, 124.
2 H. Wagener, „Die kleine aber wichtige Partei". Berlin 1885,worin jenes Programm der Rechten von 1855 mitgeteilt ist, S. 8 u. 9.
3 Vgl. Wageners Rede gelegentlich des Antrags Schulze-Delitzsch ,
betreffend das Koalitionsrecht der Arbeitgeber und Arbeiter. Sitzung
des Preufs. Abgeordnetenhauses vom 11. Febr. 1865. Ferner Ver-
gangenheit, Gegenwart und Zukunft der nationalen Wirtschaftspolitik
von Oswald Stein (bekanntes Pseudonym für Wagener). Bern u. Leipzig
1880 S. 126.