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Der Grossbetrieb : ein wirtschaftlicher und socialer Fortschritt ; eine Studie auf dem Gebiete der Baumwollindustrie / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
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nicht über ihre Produktionskosten steige. Das moderne Ge-werbesystem und seine Träger hätten daher das höchsteInteresse daran, die Erhebung des Arbeiters zu verhindern 1 .Ahnlich sagt der mit den genannten engverbundene Prof.Glaser:Kein wirklicher Kenner der Lehren der National-ökonomie wird behaupten, dafs unter den heutigen Produktions-verhältnissen in den europäischen Staaten der Arbeiterstand alsStand durch eigene Kraft aus seiner Stellung sich emporhebenkönne 2 ." Für diesen Schriftsteller ist England, weil wirtschaft-lich am weitesten entwickelt, in der schlimmsten socialen Lage das Land des Massenelends, dicht am Rande der Revolution.

Diesen Vätern des heutigen Staatssocialismus schliefsensich katholische Schriftsteller wie Jörg, Ketteier u. a. an.Für sie alle ist die Unmöglichkeit einer Hebung der Arbeiterauf Grund der bestehenden Wirtschaftsordnung Axiom undsie begründen hiermit ihre mehr oder weniger weitgehendensocialistischen Forderungen 3 .

6) Diese Lehre, ähnlich wie die des radikalen Socialismus,beruht auf jener gemeinsamen Grundanschauung, dafs diemoderne Wirtschaftsentwicklung den Arbeiter an das Lebens-minimum fessele und dafs auf ihrem Boden eine fortschreitendeVerbesserung seiner Lage, insbesondere Lohnsteigerungen, un-möglich seien. Diese Ansicht, welche nichts als eine Zuspitzungder Lohnlehre Ricardos ist, ist von der späteren Litteraturverlassen worden \ sowohl die sog. manchesterliche wie diehistorische Schule erkennen die Möglichkeit, ja die Notwendig-keit einer Steigerung der Lebenshaltung der Arbeiter, sowie

1 Wageners Staatslexikon Bd. XV. Art. Pauperismus. Ferner dassoeben citierte Buch S. 131, 132, 221.

2 Vergl. Glaser, Erhebung des Arbeiterstandes zu wirtschaftlicherSelbständigkeit. Berlin 1865.

3 Jörg, Geschichte der socialpolitischen Parteien in Deutschland .Freiburg i. Br. 1867. S. 36.