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fortschreitender Lohnerhöhungen gerade auf Grund und alsFolge des wirtschaftlichen Fortschrittes an.
So erklärt Macculloch 1 die höheren Löhne Amerikas, Englands und Hollands keineswegs als wirtschaftlichen Nach-teil gegenüber den niedern Löhnen der Iren, Polen und Hindus.Der Unterschied werde mehr denn aufgewogen durch gröfserenFleifs und erhöhte Arbeitsleistung. Dasselbe sagt Senior-trotz niederer Löhne sei der Preis der Arbeit teurer in Frank-reich als in England 2 . Der gleichen Ansicht sind R a u undRoscher 3 ; der letztgenannte Schriftsteller belegt sie mit einerFülle interessantester, in allen Ländern gemachter Erfahrungen.
Einem gleichen Umschwung der Theorie begegnen wirbezüglich der Arbeitszeit. Während man früher eine möglichstlange Ausnutzung der Maschinen als wünschenswert und jedeReduktion der Arbeitszeit als einen Verlust betrachtet hatte,erkannte man später auch die wirtschaftlichen Vorteile einerallmählichen Verkürzung der Arbeitszeit allgemein an. Besondersbekannt ist der Wandel, welchen die Ansichten Seniors in dieserRichtung erfahren haben. Während er in seinen Briefen überdie Fabrikgesetze 1837 erklärt hatte, die Reduktion der Arbeits-zeit von 12 auf 10 Stunden werde die Baum Wollindustrieruinieren, indem gerade in den letzten zwei Stunden derUnternehmergewinn hervorgebracht würde, nahm er 1863 aufdem Kongress für Socialwissenschaften zu Edinburg dieseLehre als irrig zurück und befürwortete Ausdehnung des Zehn-stundengesetzes auf eine Reihe andrer Industrien.
Einen ähnlichen Umschwung machten die AnsichtenMacaulays durch. Früher Gegner der Fabrikgesetze, hielt
1 Principles of political eeonomy. 2 Ed. London 1830. S. 397.
2 Political Eeonomy. 5 Ed. London 1863. S. 143.
3 Bau, Volkswirtschaftslehre § 201a; Roscher, Volkswirtschafts-lehre I § 40, § 173.
v. Schulze-Gävernitz, Der Grofsbetrieh. 2