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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
Seite
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II

Bankgeschäfte.

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stammt. Durch die Reichsbank wurde das Hamburger Giro auf ganz Deutscliland alseinen Giroplatz übertragen. Indem unsere Kreditbanken sich zu Lasten und zuGunsten ihrer Kunden durch Reichsbankgiro Zahlungen leisten, ist die Masse allerBankkunden angeschlossen. Innerhalb des durch die Reichsbank laufenden Zahlungs-verkehrs tritt wenigstens in normalen Zeiten Edelmetall wie Banknote weitzurück. Im Jahre 1910 wurde bei etwa einer Milliarde Mk. werktäglichen Umsatzesder Reichsbank nur noch 1 / 8 Milliarde Bargeld erfordert; nur 500 Mk. Notenum-lauf kamen auf den Geschäftsumsatz der Reichsbank von je 100 000 Mk. x ). Neuer-dings bleibt die Entwicklung der privaten Giroeinlage bei der Reichsbank unterintensiverer Ausnutzung der einzelnen Einlage durch gesteigerten Umsatz ver-hältnismäßig zurück. Es ist dies die Folge der fortschreitenden Verrechnungs-und Abrechnungsmethoden unter den Banken selbst. Ueber Reichsbankgiro gehenvielfach nur mehr dieSpitzen".

Neben den Kreditbanken und der Reichsbank ist neuerdings durch Postscheck-gesetz die Post in Deutschland zur erheblichen Girostelle geworden; Uebertragungvon Postscheckkonto auf Postscheckkonto ist begrifflichGiro". Aber immerhinerfolgt noch ein sehr ansehnlicher Teil des Postscheckverkehrs in bar im erstenBetriebsjahre wurden nur 41,5% der Gutschriften, 42,1% der Lastschriften bar-geldlos beglichen ein Verhältnis, das sich nur allmählich zu Gunsten der bargeld-losen Zahlung verschiebt 2 ).

3. DieVerrechnung" (Kompensation), d. h. die Zahlung durch Ausgleichungvon Forderungen und Schulden zwischen zwei oder mehreren Stellen, die in gegen-seitigem Geschäftsverhältnis stehen in der Weise, daß nur der Saldo geschuldet wird.Dieser Zahlungsmodus spielt im modernen Bankverkehr eine sehr erhebliche undwachsende Rolle. Von Bank zu Bank, von Bankgruppe zu Bankgruppe laufengegenseitige Kontokorrente; sie ermöglichen die Zahlung durch Kompensationnicht nur zwischen den Banken selbst, sondern auch zwischen den ihnen ange-schlossenen Kunden. Die jährlichen Saldi werden vorgetragen oder durch Reichs-bankgiro erledigt. Millionen und Milliarden werden derart beglichen. Auf diesemWege vollzieht sich auch eine große Masse der internationalen Zahlungen.

4. Abrechnung (Clearing) ist ein Zahlungsverfahren zwischen mehreren Stellen,bei welchem alle Zahlungsverpflichtungen auf ein fingiertes Subjekt (Abrechnungs-stelle, Clearinghouse) bezogen werden. Alle Schulden und alle Forderungen derBeteiligten untereinander werden damit in je eine Forderung oder Schuld jedesTeilnehmers gegenüber der Abrechnungsstelle verwandelt. Diese werden durchKompensation beglichen und die Spitzen (Saldi) in bar oder auf dem Girowegeerledigt.

Das technisch vollkommenste Zahlungswesen der Welt besitzt Hamburg als großartige Verbindung von Kompensation, Giro und Abrechnung. Jeder Ge-schäftsmann, auch der Advokat, Arzt, Lehrer und Handwerker (Volksbank!) hatBankkonto, das aus dem Adreßbuch ersichtlich ist; auf jeder Rechnung ist die Bankdes Ausstellers vermerkt 3 ). Aller Zahlungsverkehr konzentriert sich in 7 Banken,der Reichsbank und 6 Privatinstituten, bei denen die anderen Banken Konti haben.Die Zahlung vollzieht sich durch Ueberweisungsaufträge des Kunden an die eigeneBank auf Zetteln verschiedener Farbe, je nach der Bank des Zahlungsempfängers.Von Stunde zu Stunde laufen Ueberweisungsaufträge ein. Soweit sie die eigenenKunden betreffen, werden sie durch einfache Ueberschreibung internes Giroerledigt. Die übrigen werden auf sog.Ueberweisungsbögen" zusammengestellt und

3 ) Neander Müller, Art und wirtschaftliche Bedeutung des Abrechnungsverkehrs.Berlin 1911. S. 20.

2 ) Vgl. Geschäftsberichte über die Ergebnisse des Postscheckverkehrs im Reichsoost-gebiete.

3 ) F. Thorwart, Die Technik des Hamburger Ueberweisungsverkehrs. (Mitteilungender Handelskammer Frankfurt a. M. 30. Jahrg. Nr. 5. Juni 1907.)