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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
Seite
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40 G. v. S c h u 1 z e-G aevernitz, Die deutsche Kreditbank. II

kurs. Aber das Verhältnis ist überall das gleiche, wo kurzfristige Forderungengegen die Bank zu Zahlungszwecken übertragen werden; daherZahlung mit ge-schlossenem Beutel". Machen wir uns die zugrunde liegende Wirtschaftstatsacheklar: Um der Vorteile der bankmäßigen Zahlung teilhaftig zu werden Schutzvor Diebstahlsgefahr bei Aufbewahrung größerer Geldsummen, kostenlose Ueber-tragung von Ort zu Ort, oft auch geringer Zinsgewinn macht der Bankkundeder Bank eine Einlage. Er überträgt ihr sog.reale K a u f k r a f t", d. h. dieVerfügung über rasch umschlagende Kaufmannswaren, über heranreifende Ge-werbeerzeugnisse, über Edelmetall als die liquideste aller Waren. Die Bank ver-pflichtet sich, diese Einlagen jederzeit in Landeswährung Geld im engeren Sinne auf Verlangen zurückzuzahlen. Sie kann ein solches Versprechen abgeben, weilund nur insoweit, als sie jene Einlagen in ähnlicher Weise liquid anlegt. Wo das derFall ist, sind die Forderungen gegen die Bank für die Geschäftsweltso gut wieGeld", d. h. Zahlungsmittel, oderGeld" im übertragenen Sinne auch dort, wo keinUmlaufsmittel geschaffen wird, wie bei Scheck und Giro . Die Zusammenfassungvon Angebot und Nachfrage nach solchen Forderungen heißt derGeldmarkt",auf dem alles andere, nur nichtGeld" als Umlaufsmittel oder gar Währungsgeldgehandelt wird. Wo solche Forderungen juristisch an ein Wertpapier geknüpftwerden, spricht man vonG eidpapieren": Scheck, Wechsel, deren Angebotund Nachfrage einen Teil, jedoch nicht den ganzen Geldmarkt ausmacht. Die realenGüter, auf welchen die Werte des Geldmarkts aufgebaut sind, nennt manGeld-kapital". Man wirtschaftet also hier mit einem dreifachen Geldbegriff: 1. Geldim engeren Sinne = Währungsgeld; 2. Geld im weiteren Sinne = Umlaufsmittel;3. Geld im übertragenen Sinne des kaufmännischen Sprachgebrauchs = Forderung,die jederzeit in Umlaufsmittel umgewandelt werden kann. Dem letzteren Sprach-gebrauch entsprechen die Worte: Geldmarkt, Geldpapier, Geldkapital. Bei Ein-lagen für Zwecke bankmäßiger Zahlung ist eine Verzinsung üblich, aber nicht wesent-lich; die Reichsbank verzinst bek ann tlich ihre Girogelder nicht.

Die technischen Mittel der bankmäßigen Zahlung: 1. Scheck x ) ist eineauf Sicht gestellte Zahlungsanweisung, gerichtet an eine Bank, und zwar auf Grundeines Guthabens, über das der Aussteller durch Scheck zu verfügen berechtigt ist(Scheckvertrag). Man unterscheidetBarzahlungsscheck" undV e r-rechnungssqheck". Der erstere, welcher vom Empfänger in Geld (Hart-geld oder Banknote) abgehoben wird, erspart überhaupt keine Umlaufsmittel,sondern verschiebt die Last der Kassenhaltung nur vom Aussteller auf die Bank.Der Verrechnungsscheck, auchgekreuzter Scheck" genannt (gekennzeichnet durchdie quer über den Text gedruckten oder geschriebenenWorte:nur zur Verrechnung"),darf nicht bar abgehoben werden; er setzt also die ganze weitere Technik der bank-mäßigen Zahlung voraus und dient allein der Ersparung von Umlaufsmitteln. DieEntwicklung des Scheckverkehrs ist in Deutschland zuerst durch den Mangel einesScheckgesetzes und sodann durch den Scheckstempel gehemmt worden. Erheb-lich gefördert wird sie durch die kostenlose Einlösung, welche zahlreiche befreundetedeutsche Banken sich gegenseitig leisten. Der Wechsel ist Zahlungsmittelund zugleich Kreditmittel und wird des näheren unten behandelt.

2. Die fortgeschrittenere Stufe der bankmäßigen Zahlung bedeutet überScheck und Wechsel hinaus dieUeberweisung" (Giro) Zahlung zwischenKunden derselben Bank durch Ueberschreibung in den Bankbüchern aufGrund einer Giroanweisung (Roter Scheck der Reichsbank). Jede größere Bankist eine Girostelle zwischen ihren Kunden; sie bewältigt durch interne Buchungeine große Menge von Zahlungen.

Die größere Geschäftswelt bedient sich in Deutschland allgemein des Reichs-b a n k g i r o , welches in letzter Linie von der Hamburger Markbankowährung ab-

*) S.-Buff, Der gegenwärtige Stand und die Zukunft des Scheckverkehrs in Deutsch-land. München , Reinhardt, 1907.