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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
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50
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50 G.v. Schalze-Gaevemitz, Die deutsche Kreditbank. H

Einen Vergleich bietet die preissteigernde Wirkung des uneinlöslichen Papier-geldes im Gegensatz zur rückströmenden Banknote 1 ). Ich erinnere auch daran,daß im 18. Jahrhundert in Preußen die Preise der Rittergüter (nach Weyermann) 2 )stiegen, nachdem ihren Besitzern Pfandbriefe ausgefertigt worden waren, die wieGeld umliefen.

Es ergibt sich hiermit eine weittragende volkswirtschaftliche Bedeutung deszunächst privatwirtschaftlichen Grundsatzes der bankmäßigen Deckung, den dieBank, welche formale Zahlkraft schafft, überschreitet: sie verpflichtet sich kurz-fristig, indem sie Kreditdepositen gutschreibt, während sie selbst langfristige Werte

etwa prolongationsbedürftige Wechsel einlagert. Hieraus folgt zugleich eineweitreichende volkswirtschaftliche Verantwortung der Kreditbanken: sie könnendurch Schaffung formaler Zahlkraft weithin Umwälzungen in die Region derWarenpreise tragen und damit unübersehbare volkswirtschaftliche Verschiebungen

besonders in der Verteilungssphäre auslösen. Die Kreditbanken treten damitan die Stelle der Notenbanken, welche unter Umständen Preisrevolutionen bewirken,wenn die Banknote zum Papiergeld entartet.

Wollen wir nicht in den Fehler der alten Manchestermänner verfallen, welchePapiergeld alsunmoralisch" brandmarktenlieber gehe der Staat zugrunde"!,so dürfen wir in obige Gedankengänge keinWerturteil einmischen. Es soll die Schaffungformaler Zahlkraft keineswegs und unter allen Umständen vom volkswirtschaft-lichen Standpunkt aus verurteilt werden. Es kann sehr wohl sein, daß der Bank-kunde, dessen Wirtschaftsmacht durch formale Kaufkraft erweitert wurde, schritt-weise durch kluge und zweckentsprechende Arbeit in den Besitz realer Kaufkrafthineinwächst: Die prolongierten Wechsel werden abgedeckt, die Akzepte ordnungs-mäßig eingelöst, die Lombarddarlehen schließlich zurückgezahlt. Das Anlagekapitalverwandelt sich schrittweise in Geldkapital. Indem die Bank formale Zahlkraftschuf, hat sie lediglich reale Zahlkraft der Zukunft vorweggenommen. Dieetwa eingeleiteten Warenpreissteigerungen werden durch vermehrte und verbesserteWarenproduktion wieder wett gemacht. In Krisen und Kriegszeiten werden dieBanken durch Schaffung formaler Zahlkraft über die Not des Tages hinweghelfenund Zukunftsgüter mobilisieren, genau wie die Notenbank in solchen Zeitenauch illiquide Werte zur Notendeckung zuläßt, dafür die Einlösbarkeit ihrer Bank-note aufhebt und zum Papiergeld übergeht. Aber dieses Papiergeld kehrt nachglücklich überstandener Krisis schrittweise wieder zu echten Noten zurück. Aehnlichreift die formale Zahlkraft zur realen empor.

Es erhebt sich endlich die Frage, ob und inwieweit die Vielbesprochene jüngsteSteigerung der Warenpreise durch die Banken verursacht worden ist, indem einZuviel" an Zahlungsmitteln geschaffen wurde eine Frage die weit über denRahmen dieses Artikels hinausreicht.

Ichzitiere zurweiteren Verdeutlichung aus der angeführten Schrift H. v.Becke-raths folgende Stellen:Die in einem Bankguthaben verkörperte Kaufkraft, be-ruhend auf realen Gütern und Ansprüchen auf solche, kann seitens des Inhabers durchUebervveisung kreditiert werden, doch werden tatsächlich die meisten Kredite nichtmehr unmittelbar durch die Deponenten und Kreditoren der Banken weitergegeben,welche ihre Depositen zu diesem Zwecke abheben, sondern die Banken selbst ge-währen Kredit mit dem größten Teil der ihnen in Gestalt der Depositen überlassenenKaufkraft. Dabei schöpfen sie zumeist aus der Gesamtsumme dieser ihnen überlassenenKaufkraft, und sofern dieselbe auf reale Güter und Ansprüche an solche basiertist, kann man auch hier bei dieser kreditvermittelnden Tätigkeit der Banken nichtvon einer Ueberstellung formaler Kaufkraft sprechen."Der Fall der Schaffung

J ) Ad. Wagner, Russische Papierwährung. Riga 1868. S. 97 ff.

2 ) Weyermann, Zur Geschichte des Immobiliarkreditwesens in Preußen. Karls-ruhe 1910. S. 81, 97.