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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
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II

Bankgeschäfte.

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daß die statistisch zu fassende Steigerung des internationalen WarenaustauschesVerflechtung der Volks wirtschaften nur einen geringen Bruchteil der sta-tistisch nicht zu fassenden Steigerung der nationalen Warenbewegung Ver-flechtung der Einzel wirtschaften bildet. So sind die Prophezeiungen derBimetallisten weniger an der immerhin bescheidenen Mehrproduktion des Edel-metalls gescheitert, als an dieser Funktion der Banken, welche die Zahlungs-mittel gewaltig ausweitet.

ß. Sodann denke man an den fiktiven Grenzfall: Alle Umsätze werdenauf dem Wege bankmäßiger Zahlungsmethoden erledigt, aber die Grenze der realenZahlkraft wird nicht überschritten. Damit schiede jede Wirkung der Umlaufs-mittel auf die Warenpreise aus, indem genau so viel nicht mehr und nicht wenigeran bankmäßigen Zahlungsmitteln geschaffen würde, als umzusetzende Waren vor-lägen. Der Tausch hätte in Form der bankmäßigen Zahlung das ganze Gebietdes Umsatzes zurückerobert.Geld" wäre nichts anderes mehr als abstrakte Wert-einheit;Geld" im Sinne von Umlaufsmitteln also alles geprägte Edelmetallwäre verschwunden, damit auch jede Wirkung von Seiten eines allgemeinen Tausch-gutes auf die Warenpreise.

y. Man denke endlich an den Fall: Die Bank schafft bankmäßige Zahlungs-mittel; sie erkennt den Kunden etwa auf Scheck- oder Girokonto, ohne daß ihrEinlagen inGeldkapital" gemacht werden, etwa lediglich auf Grund einer Kredit-zusage im Kontokorrent. Oder die Bank schreibt Wechsel gut, welche nichtin Bälde abgedeckt, vielmehr prolongiert werden, sei es, daß der Kunde überhauptkeine Güter besitzt, sei es, daß er zwar Güter besitzt, aber in festgelegter Form(Fabriken, Landgüter). Es kann nun sein, daß die Bank selbst reale Kaufkraft ingenügender Menge in sich trägt, d. h. über bestimmte Quoten der umschlagendenGüterwelt verfügt und diese dem Kunden A leihweise überträgt. Soweit dies derFall ist, schreitet sie nicht aus dem Kreise der realen Kaufkraft heraus. Es istaber auch möglich, daß die Bank, ohne eigene reale Kaufkraft abzutreten oder zu be-sitzen, dem Kunden bankmäßige Zahlungsmittel zur Verfügung stellt. In diesemFalle schafft die Bankformale Zahlkraft". Beispiel: DerBankkunde A zahlt mittels Schecks. Der Scheckempfänger B wird entsprechendan Zahlkraft bereichert und erweitert seine Nachfrage nach Waren. Der Scheck-aussteller A ist aber nicht in der Lage, seine Einlage auf die alte Höhe zu bringen,indem er Waren verkauft. Er ist also nicht imstande den Scheckabzudecken".Solche Fälle kommen vor etwa bei dem Diskont prolongationsbedürftiger Wechsel,bei dem Lombard nicht börsengängiger Effekten, beim Akzeptkredit, soweit ver-fallende Akzepte durch neue Akzepte ersetzt werden. Die Bank erweitert damitdie Kaufkraft des Kreditnehmers über den Bestand an realen Gütern hinaus. DerKreditnehmer kann nun aus dem Gesamtvorrat an Gütern eine größere Quote fürsich heraus schöpfen, als er auf Grund eigener Kaufkraft vermöchte. Die Quotender anderen Wirtschaftssubjekte müssen entsprechend sinken, da die Menge derrealen Güter eine gegebene ist. Es kommt dies schließlich in Preisverschiebungenzum Ausdruck. Auf welchem psychologischen Wege sie sich vollziehen, ist hiergleichgültig; der Wert des Geldes sinkt zunächst bei den durch Kredit aufge-blasenen Wirtschaftssubjekten, und damit sinkt als Ergebnis zahlreicher sub-jektiver Werturteile sein gesellschaftlicher Tauschwert. Dann wird jene mittel-bare Wirkung vermehrter Zahlungsmittel auf die Warenpreise natürlich nichtin mathematischem Verhältnis und nicht für alle Warenpreise auf einmalWirklichkeit, welche die verfeinerte Quantitätstheorie annimmt 1 ).

*) Spiet hoff, (Festgaben für Ad. Wagner. Leipzig , Winter, 1905). S. 261 ff.Heifferich, Das Geld. Leipzig 1903. S. 503 ff. K. Wiek seit, Geldzins und Güter-p reise. J ena 1898. S. 81 und passim. Neuerdings H. v. Beckerath s. o.

v. Schulze -Gaevernitz, Kreditbank. 4