gg G. v. S c h u 1 z e-G aevernitz, Die deutsche Kreditbank. II
Die rechtzeitige Abdeckung der Akzepte ist in diesem Falle gefährdet, wenn dieSpekulation mit Verlusten zu realisieren gezwungen ist.
Vorbeugungsmittel gegen die Gefahren des Akzeptkredits. Das scharfe Augedes Diskonteurs übt die beste Kontrolle. Durch Obligobücher verfolgt die diskon-tierende Bank die Gesamtverpflichtungen der Akzeptanten wie der Wechselein-reicher. Der Diskonteur sollte hierbei die Akzepte von Zentralen, Filialen undTochterbanken addieren. Hierzu treten die Bestrebungen der Beichsbank, welchewiederholt die allzuhohen Akzeptkonten einzelner Banken gerügt und auf derenMißverhältnis zum Eigenkapital mit Erfolg hingewiesen hat. Freilich ist, da dieBankakzepte zunächst die Privatbanken aufsuchen, indem sie hier den niederenPrivatdiskont genießen, der Ueberblick der Reichsbank gerade auf diesem Gebieteein beschränkter. Wenn das Akzept einer Bank sich bei der Reichsbank sammelt,wie seinerzeit das der Niederdeutschen Bank, so ist dies meist der Anfang vom Endeund für Warnungen zu spät. Nützlich hat zweifellos das Schema der Zweimonats-bilanz gewirkt, welches die Höhe der Akzeptkonten der einzelnen Banken regel-mäßig der öffentlichen Kritik unterstellt. Dies ist um so mehr der Fall, als in denJahresbilanzen das Akzeptkonto vielfach künstlich herabgesetzt wurde — durchUeberführung in Debitoren. Schließlich ist die kartellmäßig durchgeführte Erhöhungder Akzeptprovision eine wirkungsvolle Maßregel zur Beschneidung des Akzept-kredits, die freilich „Gerechte und Ungerechte" in gleichem Maße trifft, aber zweifelloszur Gesundung unserer Kreditwirtschaft wirksam beiträgt.
Da die große Masse aller deutschen Wechsel dem Akzeptkredit entspringt,und die Zunahme des Wechselumlaufs — bei Rückgang des Warenwechsels —allein auf diese Ursache zurückgeht, so weist eine verlangsamte Zunahme des Wechsel-ümlaufs in der letzten Aufschwungsperiode vielleicht auf eine gewisse neuerlicheEinschränkung der Akzeptgewährung hin. Ich entnehme folgende Ziffern, welchedrei Aufschwungsperioden nebeneinander stellen, der Frankfurter Zeitung.
1897 1900
Wechsel in Umlauf gesetzt 17 529 Mill. M. 23 304 Mill. M. Zun. 5775 Mill. M. = 32,4%
1904 1907
Wechsel in Umlauf gesetzt 23 201 Mill. M. 30 765 Mill. M. Zun. 7564 Mill. M. = 32,6%
1909 1912
Wechsel in Umlauf gesetzt 29 812 Mill. M. 33 868 Mill. M. Zun. 4056 Mill. M. = 13,6%
Innerhalb dieser Ziffern spielt zudem die Zunahme der internationalen Waren-wechsel ihre Rolle, die mit dem Wachstum der deutschen Welthandelsbeziehungenvon selbst gegeben ist. Die zwischen 1. Januar 1913 und 1. Januar 1914 einge-tretene Vermehrung des Akzeptumlaufs der Deutschen Bank von 255 auf 312 Mil-lionen Mk. ist nach glaubhafter Versicherung des Geschäftsberichts eine Folge desgesteigerten Ueberseegeschäfts.
2. Mißbräuche beim Bankwechsel. Als Mißbrauch ist zunächst die Dis-kontierung eigener Akzepte anzusehen, wozu die Bank bei Ueber-schuß flüssiger Mittel oder auch gegenüber schwachen Kunden kommt, denen siedann die Diskontbedingungen beliebig festsetzt. Auch die Angst vor Kundertjägereider Konkurrenz soll die Banken unter Umständen dazu veranlassen, ihre eigenenAkzepte einzulagern. Wie dem auch immer sei, beim Diskont eigener Akzepte nimmtdie Bank in ihren Wechselbestand, der ihr bestes Aktivum sein soll, Scheinwerteauf — ihre eigenen Zahlungsversprechungen. Soweit ein Dritter dagegen diskon-tiert, sind zwei Wechselverpflichtete vorhanden, und es besteht zudem eine gewisseKontrolle durch den Diskonteur. Daher sind eigene Akzepte, die im regulären Ge-schäftsbetrieb in die Hände der Bank gelangen, weiterzugeben 1 ). Wechselaustauschzwischen Tochter- und Mutterbank ist „verfeinerte Wechselreiterei". Man gebe