II
Bankgeschäfte.
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Natur der Sache gelegenen Grenzen nicht verkennen. Wir bedürfen ihrer um somehr, je verwickelter das wirtschaftliche Ganze wird, und je gefährdeter dieauswärtige Lage sich gestaltet. Hieraus ergeben sich für unsere GroßdiskonteureVerantwortlichkeiten über das privatwirtschaftliche Gebiet hinaus — Verpflich-tungen der Mitarbeit an den Zwecken der Zentralbank.
D. Auslandswechsel.
a) Der Wechsel als internationales Zahlungsmittel. Auch im interna-tionalen Zahlungsverkehr breitet sich das Gebiet der sofortigenZahlung durch Scheck, Sichtwechsel, Kabeltransfer erheblich aus. InternationalesGiro vermitteln die im Auslande bestehenden Zweigniederlassungen deutscherBanken, z.B.: Der Kunde einer inländischen Filiale der Deutschen Bank zahlt einemKunden derselben Bank in London oder Konstantinopel durch Ueberschreibungin den Büchern derselben Bank. Die Banken des In- und Auslandes stehen ferneruntereinander in laufender Rechnung; sie erkennen sich und belasten sich gegen-seitig im Auftrage ihrer Kunden: Zahlung durch internationale Kompensation.Daneben stehen in- und ausländische Firmen des Warenhandels vielfach in gegen-seitiger laufender Rechnung und zahlen sich ohne Bankvermittlung. Beispiel: Derüberseeische Importeur erhält Buchkredit beim Hamburger Exporteur und zahltdemselben durch gelegentliche Uebersendung von Gegenwerten, etwa Schecks,Zinskoupons, Wechseln, wobei er günstige Kurse abwartet, nicht selten auch vonWaren. Der internationale Großhandel ist insofern auch heute noch z. T. Tausch-handel. Für den Kleinverkehr besteht die internationale Postanweisung mit einerZentralabrechnungsstelle des Weltpostvereins.
Trotz alledem hat im internationalen Zahlungsverkehr der Wechsel nochheute eine große Bedeutung, wenn es auch nicht mehr zutrifft, daß 9 /io aller inter-nationalen Zahlungen durch Wechsel erledigt werden 1 ). Aber in vielen überseeischenGebieten sind auch jetzt noch 90 Tage-Sicht-Wechsel besser zu verwerten als Schecksund Barauszahlungen, weil ihr Markt größer ist, z. B. in Argentinien. Die Bedeutungdes Wechsels im internationalen Verkehr geht darauf zurück, daß die überseeischenRohstoffgebiete nicht nur als Verkäufer, sondern zugleich als Schuldner deneuropäischen Industriestaaten gegenüberstehen. Indem letztere kreditieren,oft genug die Ware zahlen, ehe sie dieselbe erhalten haben, nicht selten, ehe sieerzeugt ist, zwingen sie den Verkäufern ihre Währung auf und vermeiden so fürsich die Gefahr der Valutaschwankungen. England zieht nicht, sondern wird vonaller Welt bezogen, Rußland und Brasilien ziehen, aber werden nicht bezogen.Deutschland zieht auf England und wird von Rußland und Brasilien bezogen.Die Vereinigten Staaten haben bisher weit überwiegend gezogen und wurden nurwenig bezogen 2 ). Obgleich der Dollar einen festen Goldwert besitzt, wurde derDollarwechsel in Europa wenig gehandelt. Abgesehen von der allgemeinen Schuldner-stellung der Vereinigten Staaten gegenüber Europa, beruhte dies auf besonderenUrsachen. Den amerikanischen Nationalbanken war bislang das Akzeptieren vonWechseln nicht gestattet; im inländischen Verkehr war der Wechsel so gut wie unbe-kannt; daher bestand kein Diskontmarkt, auf dem die vom Auslandegezogenen Wechselleicht zu verwerten gewesen wären, wie etwa amerikanische £-oder Mk.-Ziehungenin England oder Deutschland. Die sog. amerikanischen Finanzwechsel, Ziehungenvon New Yorker Bankhäusern auf London, die gelegentlich eine erhebliche Rollespielen, sind Vorwegnahmen künftiger Forderungen aus der Ernte und werdenals solche von London bereitwillig diskontiert.
Im einzelnen scheide man Einfuhr- und Ausfuhrhandel. Im E i n f u-h r-
1 ) Schär, Die Technik des Bankgeschäfts. III. Aufl. Berlin 1908. S. 134.
2 ) R. Hauser, Börsen-Courier vom 8. Juli 1913.
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v. Schulz e-Gaevernitz, .Kreditbank.