II
Bankgeschäfte.
83
von Seedokumenten begleiteten Wechsel zu niederem Diskont an D, eine Bankseines Landes, verkaufen. Er kommt so oftmals zu seinem Gelde, ehe noch dasSchiff den Hafen verlassen hat. D schickt die dokumentierte Prima zum Akzept undbehält die Sekunda bis zum Verfall, oder er verwendet sie zu weiteren Indossamenteninsbesondere an Leute, die nach Deutschland zu zahlen haben, z. B. an E, den Im-porteur deutscher Waren, oder F, den zinszahlenden Finanzminister. Diese Zahlungs-methode setzt voraus, daß im Lande des A ein Markt für deutsche Wechsel besteht.In ähnlicher Weise kann der ausländische Importeur B dem deutschen ExporteurA, der seine Rechnung in Mark gestellt hat, eine deutsche Bank C als Rembours-steile angeben, die letzterer in Gold bezieht. Voraussetzung hierfür ist eine gewisseStärke des ausländischen Importeurs. Beispiel: Der ausländische Eisenbahnministeroder die mit deutschem Gelde finanzierte ausländische Eisenbahngesellschaft gibtdem deutschen Hüttenwerke eine deutsche Bank als Remboursstelle an. DieseArt von Ziehungen ist im Exporthandel jedoch weniger häufig als beim Import.
Eine weitere Sicherung liegt im sog. „bestätigten Rembours-k r e d i t". Ein Vertrag ist zwischen B und C geschlossen und dem A zur Einsichtvorgelegt, wonach die Bank C sich verpflichtet, die Tratten des A zugunsten desB bis zu bestimmter Höhe zu akzeptieren.
c) Noch ist unser Warenhandel weithin gezwungen, Londoner Rembours zugeben und zu nehmen. Wechsel auf Deutschland sind nicht überall marktgängig— nicht aus währungspolitischen Gründen, auch die Markwährung ist heute ge-festigte Goldwährung —, sondern weil der Londoner Diskont der billigste ist. Da„Londoner Wechsel" zudem als sicherste Geldanlage gelten („Gold + Zins"), sosteht der Kurs der langen Wechsel auf London vielfach höher, als er rechnerischstehen sollte (gleich Kurs der kurzen Wechsel minus Diskont). Lange Wechselauf London sind die bestverwertbare Zahlung. England als internationaler Zahlungs-vermittler soll noch heute an 80 Millionen Mk. Akzeptprovision das Jahr verdienen.Angeblich wird aus dem überseeischen Handel Europas für 6 Milliarden Mk. jährlichauf England gezogen 1 ). Andrerseits ist aber dieses Verhältnis für Deutschland nichtohne Vorteil: indem es große Massen Londoner Akzepte zum Diskont bringt,finanziert der billige englische Geldmarkt den deutschen Ueberseehandel. Berlin und Hamburg — Sammelplätze von £-Wechseln eigener wie osteuropäischer Her-kunft — kaufen Londoner Schecks gegen Verkauf von langen Londonwechseln undprofitieren so den niedrigen Londoner Diskont.
Zwar stellte die Deutsche Bank demgegenüber schon 1870 das Pro-gramm auf: Förderung der Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und denüberseeischen Märkten durch Herstellung direkter Zahlungsbeziehungen; dochzunächst ohne Erfolg. Wegen des damals noch zu geringen Umfangs des deutschen Warenhandels fanden die auf Deutschland gezogenen Mk.-Wechsel in Ostasien keineKäufer. Noch heute ist der deutsche Handel mit China vielfach Zwischenhandel;von den durch deutsche Häuser eingeführten Waren kommen nur 60% aus Deutsch-land, 40% aus anderen Ländern. Solchen Importeuren ist Londoner Bankakzeptdoppelt erwünscht, z. B. dem Hamburger, der nach Ostasien Manchester -Wareneinführt und nach England zu zahlen hat. Die deutschen Großbanken beschrittenangesichts der gefestigten Akzeptstellung Londons einen erfolgreichen Umweg,die Gründung von deutschen Bänkfilialen in London: „ Invasion der Fremden inLombard Street". Der Bericht der Deutschen Bank von 1874 verspricht „Unter-stützung des deutschen Ueberseehandels mit Hilfe unserer sich vortrefflich be-währenden Londoner Filiale, wenngleich wir unsere Versuche, die deutsche Valutaauf überseeischen Plätzen einzuführen, vorläufig zu sistieren gezwungen sind".London wehrte sich zunächst gegen die Auslandsbanken: Wechsel auf Londoner
0 Jos. Hellauer, Die Zahlungsvermittlung der englischen Banken im Uebersee-handel (S. 47—91). Wien 1904 (Sonderabdruck aus: Jahrbuch der Export-Akademie desK. K- österr. Händelsmuseums. V. Studienjahr).
6*