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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
Seite
84
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84 G. v. S c h u 1 z e-G a e v e r n i t z, Die deutsche Kreditbank. II

Filialen auswärtiger Banken wurden lange Zeit schlechter diskontiert. Neuerdings istdas Akzept der Londoner Filialen der deutschen Großbanken dem besten Londoner Bankpapier gleichwertig. Wo Londoner Rembours verlangt wird, stellen deutscheBanken das Akzept ihrer Londoner Niederlagen zur Verfügung. Daneben greiftim internationalen Verkehr der Markwechsel um sich. Sommer 1914 wurde mirauf Anfrage von der Deutschen Bank mitgeteilt, daß 60% ihrer Auslandsakzeptein £, 40% in Mark ausgestellt seien. Während die Engländer ihr Akzept nurunter Herausgabe der Seedokumente erteilen, sollen die deutschen Banken sichöfters damit begnügen, diese Dokumente gesehen und sich von der Reellität desindividuell gewürdigten Geschäfts überzeugt zu haben.

Eine ähnliche internationale Stellung, wie sie der £-Wechsel besitzt, erstrebtder Dollarwechsel, zunächst für das lateinische Amerika , aber auch darüberhinaus. Nachdem den amerikanischen Banken die Erlaubnis erteilt ist, im AuslandeFilialen zu gründen, wie dies einige Trust Companies bereits getan haben, dürftensolche Bestrebungen mehr Erfolg aufweisen als bisher. Bei Gründung eigener Bank-filialen in Deutschland würde die Finanzierung insbesondere des deutschen Ex-portgeschäfts teilweise auf die Amerikaner übergehen. Unsere Bankwelt würdedadurch an Akzeptprovisionen und Diskontgewinnen verlieren, aber die Finan-zierung des deutsch -amerikanischen Handels würde mehr als bisher auf beide Länderverteilt werden. Es würde dies im Sinne einer Verminderung der Akzeptkontender deutschen Bankwelt wirken und soweit die amerikanischen Banken mitamerikanischem Gelde arbeiten die Liquidität der deutschen Volkswirtschaftverbessern. Sollten die amerikanischen Bankfilialen in Deutschland um sich greifen,so hätte unsere Bankwelt allen Grund, die Aufhebung jener gesetzlichen Bestim-mungen in Amerika zu fordern, welchewiedas Verbot der Depositenannahmedie Gründung europäischer Bankfilialen in den Vereinigten Staaten unmöglich machen.

d) Im einzelnen liegen unsere Zahlungsverhältnisse in bezug auf die großenRohstoffgebiete außerordentlich verschieden. Folgendes soll nur als Beispiel gelten,ohne andere Fälle auszuschließen.

Deutschland ist der Hauptabnehmer von Rußlands Ausfuhr; Markwechselsind daher in Rußland die häufigsten Goldwechsel. Als Verkäufer deutscher Waren kann Deutschland bei intimer Kenntnis Rußlands dem russischen Käufergrößere Konzessionen machen als etwa England . Es verkauft vielfach in Ru-beln und zieht auf russische Banken und größere Firmen oft recht 'lang-fristige Rubelwechsel, für welche ein Markt in Berlin besteht. Rußland gibtanderen Ländern öfters deutschen Bankrembours. Beispiel: Der Verkäufer eng-lischer Spinnmaschinen nach Russisch-Polen erholt sich, indem er auf Berlin zieht.Dafür remittiert Rußland Auslandswechsel nach Berlin. Aehnlich war Hamburg Remboursplatz für Nordländer, z. B. zog der Portugiese, der nach Kopenhagen Wein exportierte, auf Hamburg; der Norweger, der Holz nach Portugal verfrachtete,verlangte Hamburger Rembours. Diese Vermittlerstellung Hamburgs ist durchdirekte Bankbeziehungen zurückgedrängt worden.

In Südamerika haben deutsche Auslandsbanken den Markwechsel einge-bürgert. Hamburger Kaffeehändler geben dem Brasilianer Pflanzer HamburgerBankrembours, Mannheimer Getreidehändler dem argentinischen ExporthauseMannheimer Bankrembours. Das südamerikanische Importhaus steht mit demHamburger Exporteur in Kontokorrent, das in Mark geführt wird. Alle Rechnungenwerden in Mark gestellt. Beispiel; Der Südamerikaner genießt bei dem HamburgerGeschäftsfreunde einen Kredit von 100 000 Mk., der sich auf den jeweiligen Konto-korrentsaldo bezieht. Dieser Kredit wird mit 8% verzinst, was bei dem höherenZinsstand drüben Anreiz bietet, den Kredit auszunutzen. Die Abdeckung erfolgtdurch Tratten, welche der Südamerikaner auf erste europäische Bank- und Kom-missionshäuser zieht (z. B. Schröder London , Donner Hamburg). Diese Ziehungenerwachsen dem Südamerikaner aus eigenen Rohstoffsendungen nach Europa ; aus-