Druckschrift 
Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
Seite
85
Einzelbild herunterladen
 

II

Bankgeschäfte.

85

nahmsweise zahlt er auch durch Ziehungen dritter Firmen auf Europa , die er beigünstigen Wechselkursen kauft x ). Im kleineren Verkehr zieht der deutsche Ex-porteur noch manchenUrwaldwechsel" in Milreis. Solche Wechsel werdenvon der deutschen Ueberseebank nur einkassiert, bestenfalls bevorschußt.

China kauft und verkauft in eigener Währung infolge der Massenhaftigkeitund Trägheit des asiatischen Wertbewußtseins. Dagegen wird zwischen Europa und China überwiegend in Gold gezogen. Ermöglicht wird dies dadurch, daß zwischenbeiden Ländern noch heute das in China ansässige europäischeChinahaus" sicheinschiebt. Beispiel: Das Chinahaus als Exporteur chinesischer Waren zieht inGold (Kaufpreis + Fracht + Provision) auf seinen Hamburger Geschäftsfreundoder dessen Bank; deutsche oder englische Ueberseebanken kaüfen diese Tratte(mit Dokumenten), welche auf dem Landwege nach Hamburg geht; dort werdenbei Ankunft der Waren die Dokumente gegen Zahlung oder Akzept der Tratte aus-geliefert. Aber das Chinahaus braucht Silber, um den chinesischen Aufkäufer zubezahlen, es riskiert die Silberverteuerung. Aehnlich bei der Ausfuhr Deutschlands. Der Hamburger Exporteur zieht bei Verschiffung der Waren einen Markwechselauf das Chinahaus, dem gegen Akzept oder Zahlung des Kaufpreises (documentsagainst acceptance, against payment) die Ware ausgeliefert wird. Eine in Hamburg ansässige Bank nimmt dem Exporteur gegen Auslieferung der Dokumente denWechsel zu vollem Betrage ab innerhalb des Kredits, welchen das Chinahausbei derselben Bank gedeckt oder ungedeckt genießt. Die Bank schlägt, wenn sieden Wechsel dem Chinahaus zur Zahlung präsentiert, Zinsen zu solche Wechselhaben stets Zinsklauseln, werden also nicht diskontiert 2 ). Die Zinssätze sind ziemlichfest (67%), keineswegs die hohen und schwankenden Diskontsätze Ostasiens. Das Chinahaus braucht zur Abdeckung des Wechsels Gold, während seine EingängeSilber sind, es riskiert also die Silberverbilligung. Indem die überseeischen Bankenin China Goldwechsel auf Termin gegen chinesische Währung kaufen und verkaufen,ermöglichen sie dem Chinahause eine Versicherung gegen Kursschwankungen imTermingeschäft. Da die chinesische Taelwährung an den Silberpreis gebundenist, wenn auch innerhalb ziemlich weit gesteckter Silberpunkte, so sind die Bankenin der Lage, durch Termingeschäft auf dem Londoner Silbermarkte die Spitzendieser Wechselgeschäfte nicht ohne erhebliche Spesen zu versichern. Im ost-,asiatischen Verkehr spielt der Konsignationshandel noch eine erhebliche Rolle. Dereuropäische Konsignant zieht auf den überseeischen Konsignatar eine Tratte fürdie zum kommissionsweisen Verkauf übersandte Ware. Er läßt sich auf diese Trattevon seiner Bank einen Vorschuß geben. Die Ware wird drüben auf Rechnung derBank nicht selten in ihrem eigenen Lagerhause eingelagert. Der Konsignatarentnimmt die Ware, seinen Verkäufen entsprechend, dem Lager und händigt denErlös dem Vertreter der Bank ein, die mit dem Exporteur abrechnet. Im Ver-kehr zwischen Deutschland und dem britischen Reich ist der Markwechsel schlechthinunbekannt und London noch durchweg der Zahlungsvermittler. Im innerstenAfrika weiß der arabische Elfenbeinhändler den £-Wechsel zu schätzen. Der Wechselfolgt der Flagge. Dagegen habe ich in Hamburg abessynische Ziehungen in Markgesehen, sowie deutsche Ziehungen in deutsch-ostafrikanischen Rupien auf Deutsch-Ostafrika. Der deutsch -marokkanische Handel im Wachsen, solange der fran-zösische Zolltarif ferngehalten wird rechnet in Franken.

e) Internationale Bank-auf-Bankziehungen. Abgesehen vom Warenhandelentspringen zahlreiche Auslandswechsel dem internationalen Effekten-geschäft; sie dienen der Abhebung von Anleihen, werden auf Grund von Ef-fektenausfuhr gezogen usw. Endlich können die Banken innerhalb ihres Kredits

x ) Friedrich, Die Technik des Zahlungsverkehrs zwischen einem südamerikanischenImporteur usw. (Zeitschrift für handelswissenschaftliche Forschung. IV. S. 603.)

2 ) Derselbe, Die Technik des Zahlungsverkehrs im Export mit China. (Zeitschriftfür handelswiss. Forschung. IV. S. 117 ff.)