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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
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86
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86 G. v. Schulz e-Gaevernitz, Die deutsche Kreditbank. II

internationale Wechsel selbsttätig schaffen. Sie veröffentlichen vielfach zwei Kursefür Auslandswechsel: Geberkurs (Brief) und Nehmerku^s (Geld). Es sind das un-verbindliche Preiskurants. Aber diese reinen Bankwechsel müssenabgedeckt"werden und bilden daher nur eine intertemporale oder, interlokale Verschiebungder Zahlungsverpflichtungen. Wenn in Zukunft Zahlungsforderungen zu erwartensind, etwa infolge der Ernte, des Reiseverkehrs, der Zinscouponsendungen, so sinktder Kurs der langen Wechsel unter seinen normalen Stand, der gleich dem Kursder kurzen minus Diskont ist. Alsdann kaufen die Banken das lange Papier,senden es in seine Heimat und ziehen auf die damit gewonnenen Guthaben kurzesPapier, wodurch die Kurse des letzteren sinken. Umgekehrt verhält es sich, wennin Zukunft wenig Zahlungsforderungen zu erwarten sind und der Kurs des langenPapiers über seinen normalen Stand steigt. Dann kaufen die Banken kurzes Papierund verkaufen dafür langes Papier.

E. Wechselarbitrage.

Eine weitere Möglichkeit der Abdeckung internationaler Zahlungsverpflich-tungen bilden die Wechsel auf ein drittes Land. Die von unseren Banken in er-heblichem Umfang betriebene Wechselarbitrage beschäftigt sich damit, Wechseldort zu kaufen, wo sie billig sind, und sie dahin zu bringen, wo sie teuer sind. Ge-wöhnlich wird zuerst auf dem kleineren Markt abgeschlossen, und dann auf demgrößeren, wo ein Geschäft die Kurse noch nicht zu beeinflussen vermag, das ent-gegengesetzte Geschäft gemacht. Wechselarbitrage erfordert rasches Handelnund übersichtliche Buchhaltung *). Durch das Telefon sind die Kursverschieden-heiten der einzelnen Börsen weithin ausgeglichen worden. Wenn z. B. Wechselauf London in Paris eine Kursabschwächung erfahren haben, so wissen dies inwenigen Stunden sämtliche großen Banken Europas ; Kaufaufträge fliegen nachParis . Gewinne sind nur möglich bei größtem Umsatz in Abschnitten von 50 000 £und mehr. Daher ist Wechselarbitrage Sache der Großbanken. Die reine Arbitrageist unspekulativ, indem sie zu gleicher Zeit hier kauft und dort verkauft.Vielfach ist letztere so unlohnend geworden, daß ein gewisses spekulatives Momentnicht vermieden werden kann; Es ist nicht selten üblich, an dem einen Orteauf Ten-denz" vorzuverkaufen. Um die Spesen zu vermindern und die Verschickung derWechsel in natura zu vermeiden, geschieht die Arbitrage gelegentlich ä conto meta,d. h. auf gemeinsame Rechnung mit einem andern Bankhause am auswärtigenBörsenplatze. Volkswirtschaftlich bedeutet die Wechselarbitrage interlokale Aus-gleichung der Zahlungsbilanzen; sie ist um so wichtiger, je mehr die Effekten-arbitrage zurückgeht.

Durch ihre Devisenpolitik Kauf und Verkauf von Auslandswechselndient auch die Reichsbank der intertemporalen und interlokalen Ausgleichung derZahlungsbilanzen 2 ).

J ) Eichhorn, Devisenabteilung. (Zeitschrift für handelswissenschaftl. Forschung.IV. S. 441, 457 ff.)

2 ) Vgi. zum internationalen Wechselverkehr die reichhaltige Literatur über Wechsel-kurse, u. a.: Heiligenstadt , Beiträge zur Lehre von den auswärtigen Wechselkursen(Conrads Jahrb. f. Nat. und Stat. III. F. Bd. IV (1892), Bd. V ryid VI (1893). W. Prion ,Das deutsche Wechseldiskontgeschäft. Leipzig 1907. Heinr. Deutsch, Arbitrage. 2. Aufl.Berlin 1910. Jul. Wolf, Das internationale Zahlungswesen (in den Veröffentlichungendes mitteleuropäischen Wirtschaftsvereins in Deutschland, Heft 14). Leipzig 1913. R.Maync,Der Diskont. Jena 1899. W. Z o 11 i n g e r , Die Bilanz der internationalen Wertiiber-tragungen. Jena 1914. Rud. Sonndorfer, Die Technik des Welthandels. 2 Bde. 4. Aufl.Wien und Leipzig 1912. J. Landmann, Das System der Diskontpolitik. Leipzig 1900.N. E. W e i 11, Die Solidarität der Geldmärkte. Frankfurt a. M. 1903. L. Fontana-Russo, Grundzüge der Handelspolitik. Leipzig 1911. H. Schumacher , Die Ur-sachen der Geldkrisis. Dresden 1908. Helfferich , Studien über Geld- und Bankwesen.