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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
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III

Bankenaufbau.

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wäre, so müßte es als Vorschule des kapitalistischen Großbetriebes und zur Steigerungder wirtschaftlichen Intensität eingeführt werden. Nicht um Kadavergehorsamhandelt es sich: Stock und Paradedrill versagten zu Jena und würden unsere Groß-banken zu einem wirtschaftlichen Jena führen. Nur der Gehorsam freier Männerkann unser Bankwesen zu neuen Siegen führen der Gehorsam, wie ihn dieecht-preußischen" Männer vorlebten: ein Kant ein Stein, ein Scharnhorst.

Aber nicht leichter, wie der oberflächliche Kopf denken könnte, sqndern schwererals die Kunst des Gehorchens ist dieKunst des Befehlen s", welchesystematisch ausgebildet werden sollte. Diese Kunst ist mit dem schneidigen Tondes Befehlswortes noch nicht erlernt. Unsere Bankenherrscher von heute sehensich vor ungewohnten Problemen, die ihnen aus der Zeit des Klein- und Mittelbe-triebes, in dem sie aufwuchsen, durchaus fernliegen. Derjenige Vorgesetzte wirdam ehesten den Untergebenen zu zwangloser Erreichung einer Höchstleistung ver-anlassen, der als Berufsarbeiter wie als Mensch Achtung, auf den höchsten StufenBewunderung ihm abzwingt durch Selbstdisziplin!Wer befehlen soll, muß imBefehlen Seligkeit empfinden; Genießen macht gemein" (Faust II. 4. Akt). DerbesteFürst ist nach Fichte der, welcher sichüberflüssig macht". Der besteGeldfürst"ist der, welcher Selbständigkeiten um sich her nicht fürchtet, sondern sie ermutigt,Stellvertreter und Nachfolger heranzieht, die nach ihm das deutsche Bankwesen zuneuen und größeren Siegen auf dem Kampfplatz der Weltwirtschaft zu führenberufen sind. DerPersonalchef" bekleidet als sozialpolitischer Direktor eine derwichtigsten Stellen im Organismus der Großbank. Nur derjenige steht auchrein privatwirtschaftlich geurteilt auf der Höhe der Zeit, für den die Kant undFichte, die Hegel und Marx nicht umsonst gelebt haben, der im Menschen denM enschen" achtet trotz aller gegenteiligen Erfahrung.Dennoch!" Einezeitgemäße" und doch uralte Gesinnung wird sich auf die Dauer bezahltmachen, mittelbar und auf psychologischen Umwegen in den Gewinnen zumAusdruck gelangen 1 ).

D. Volkswirtschaftliche Bedeutung der Bankenkonzentration.

a) Mit den Bankengruppen entstehen Zentralstellen im Mittelpunkte der Volks-wirtschaft unter äußerer Selbständigkeit der einzelnen Glieder, ähnlich wie beiden deutschen Industriekartellen im Gegensatz zu den amerikanischen Trusts.Es handelt sich dabei um R e i ch s instanzen, wie denn die Großbanken das wich-tigste Mittel der wirtschaf tlichen Vereinheitlichung des Deutschen Reichsgeworden sind. Die bedeutsamsten Konzentrationserscheinungen unseres Banken-systems hatten in letzter Linie ihren Schauplatz in Süddeutschland . Durch eine nahezuwiderstandslose Angliederung zahlreicher, z. T. althistorischer Häuser Süddeutsch-lands hat die Hauptstadt heute die wirtschaftliche Herrschaft des Reichsgebietesangetreten, nachdem die Einschmelzung der norddeutschen Provinz bereits derVergangenheit angehört. Diese Zentralstellen geben in wachsendem Maße dqnnationalen Ersparnissen die Richtung, und zwar um so stärker, je mehr die Anlage-kapitalien in Effektenform, die Betriebskapitalien in Depositenform gegossen werden.Von hier aus wird das Gebiet der blind waltenden Wirtschaftsgesetze schrittweisezurückgedrängt zugunsten bewußter Anordnung das Gebiet der Natur zu-gunsten des Reiches derFreiheit" im Sinne unserer klassischen Philosophieauch Marxens! Ist die letzte Leitung der deutschen Bankwelt einem Dutzend von

J ) Ev. Joh. 1,9:jeden Menschen". Vgl. auch bei Personalärger, Personalenttäu-schung das Wort Kants :Der Mensch als Person betrachtet, ist nicht bloß als Mittel zuZwecken anderer, sondern als Zweck an sich selbst zu schätzen, d. i. er besitzt eine Würde,ein Gefühl seines inneren Wertes, nach welchem er für keinen Preis feil ist" (J. Kant,Metaphysik der Sitten, ed. J. H. v. Kirchmann. Berlin , L. Heimann 1870. S. 279/281).

v. Schul ze-Gaevemit.z, Kreditbank.