III
Bankenaufbau.
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bei einer andern Bank, so begegnet ihm leicht die Frage: „Wo kommen Sie her?"und die Rückfrage bei uns. Wiederholt haben unsere Großbanken in dieser Weisekrisenmildernd eingegriffen 1 ).
Vor der Depression 1900/01, als die Spannung auf dem internationalen Geld-markte dauernd zunahm, erließen die Berliner Großbanken an ihre KundschaftZirkularschreiben mit der Aufforderung, ihre Engagements zu verringern; rechtdringend wurde diese Aufforderung Februar und März 1900. So sagte z. B. dieDresdner Bank in ihrem Berichte für 1899: „Wir haben es für unsere Pflicht ge-halten, im Hinblick auf die Anspannung des Geldmarktes einem hier und da in Er-scheinung tretenden Uebereifer des Publikums in Effektenkäufen, namentlich solchenunter Kredit-Inanspruchnahme, mit den uns zu Gebot stehenden Mitteln entgegen-zutreten." Dagegen lautet der Jahresbericht für 1900 — nach eingetretener Krisis —beschwichtigend. So schrieb die Darmstädter Bank : „Die in den Syndikaten undKartellen ausgeprägte Interessengemeinschaft großer Industriezweige behütet dieIndustrie vor zu großen Uebertreibungen einerseits und vor plötzlichen Zusammen-brüchen, wie sie vordem zeitweilig eintraten, anderseits". Ein Wort zur rechtenZeit, wenn man den psychologischen Einschlag jeder Krisis bedenkt! Als in derzweiten Hälfte des Oktober die sog. Spielhagen-Banken zusammenbrachen, tratendie Berliner Großbanken zusammen und führten in kurzer Zeit durch Interventions-käufe eine Beruhigung des Börsenpublikums herbei. Bald darauf war der Zusammen-bruch der Leipziger Bank dazu angetan, eine Panik hervorzurufen. In Erkenntnisdavon griffen die Großbanken durch umfangreiche Interventionen tatkräftig ein.Vor allem nahm man Industriewerte, die am meisten unter Kursrückgängen zu lei-den hatten, in Schutz. Nicht anders in der Depression von 1907/08, welche — dochwohl dank zielbewußten Bankeneingriffs — nicht zur Krisis ausartete. Noch Ende1906 herrschte ringsum Zuversicht, und aus den Handelskammerberichten töntedas größte Vertrauen. Besonders optimistisch war die Essener Handelskammer.Die einige Wochen darauf erschienenen Jahresberichte der Großbanken empfahlenbereits größte Reserve. Besonders wurden die vorbildlichen Warnungen der DeutschenBank beachtet, obgleich die industriellen Berichte immer noch günstig lauteten.Plötzlich kam die Kunde von beispielloser Deroute in New York . Wären an unsererBörse noch beträchtliche Hausseengagements vorhanden gewesen, so war einePanik unvermeidlich. Nunmehr mahnten die Banken zu kühlem Selbstvertrauen,wie sie kurz vorher vor übertrieben günstiger Beurteilung der Lage gewarnt hatten.Auch setzten sie stützend ein, ohne eine vorübergehende Liquiditätsverschlechterungzu scheuen. Um so wichtiger war es, daß unsere Banken selbst leidlich liquid in dieKrisis eintraten. Noch niemals kam die Absicht der Großbanken, ausgleichend auf diewirtschaftliche Entwicklung einzuwirken, erfolgreicher zum Ausdruck, als in jenenTagen. Durch die Uebernahme des Fürstenkonzerns wehrte die Deutsche Bankeinen Zusammenbruch ab, der zur Krisis hätte auswachsen können.
Vor allem aber wirken die Großbanken dadurch krisenmildernd, daß sie selberden Krisen Widerstand leisten. Die Stetigkeit ihrer eigenen Entwicklung wurdevon den oben erwähnten beiden Depressionen nicht mehr beeinträchtigt. In denKrisen von 1857 und 1873 gewaltige Dividendenschwankungen! 1900/01 behielt vonden Großbanken eine ihren Dividendensatz bei; 1907/08 waren es schon drei,eine vierte ging nur um V 2 % herunter. Es wirkt in dieser Richtung zunächst eineausgleichende Tendenz im Bankgeschäfte selbst. Wenn in Zeiten der Geldknappheitder Umfang der Emissionen nachläßt, steigen gleichzeitig' die Zinsergebnisse. Hierzukommt eine bewußte Politik stabiler Dividenden auf Grund desSystems der „stillen Reserven". Es wird in der Gewinn- und Verlustrechnung will-
l ) A. Feiler, Die Konjunkturperiode 1907—1913. Jena 1904, sowie Geschichteder Frankfurter Zeitung. Frankfurt 1911. S. 845 ff. Wiewiorowski, Der Einflußder deutschen Bankenkonzentration auf Krisenerscheinungen. Freiburger Dissertation.Berlin 1911.
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