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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
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III

Bankenaufbau.

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Fragen auswärtiger Kapitalanlagen das Wort ergriffen. Genügt obiger Zustand, ohnedaß es, wie Do ve meint 1 ), des Ausbaus einer besonderen Behörde bedarf? Icherwähne diese Frage, ohne sie zu beantworten.

D. Deutsche Auslandsbanken 2 ).

a) Entstehung und geographischeVerteilung der deutschen Auslandsbanken.

1. Die älteste Form der Beteiligung am Bankgeschäft des Auslandes war dieKommanditierung renommierter, mit den einschlägigen Verhältnissen wohl ver-trauter Privatfirmen des Auslandes. So stellte sich die Bank für Handel und In-dustrie gleich zu Anfang ihrer Tätigkeit die kommanditarische Beteiligung im Aus-lande als besondere Aufgabe und beteiligte sich z. B. schon 1854 am New YorkerBankhause G. von Baur u. Co. Dieser Weg dient seitdem insbesondere der Ver-bindung der deutschen Bankwelt mit den Geldmächten von Wallstreet: den Speyer- Elissen, den Hallgarten, den Kuhn Loeb u. Co., den Ladenburg Thalmann Co. u. a.Derartige Verbindungen erwachsen öfters aus verwandtschaftlichen Beziehungen,die vor allem von Frankfurt über das große Wasser hinüberreichen. Zudembesteht für fremde Banken in den Vereinigten Staaten das Verbot der Annahmevon Depositen und der Diskontierung von Wechseln, das die Entstehung deutscherBanken und Bankfilialen verhinderte.

2. Ueber die Kommandite hinaus bedeutet die Filiale eine wirksamere Formder Bankvertretung im Auslande. Die Filiale bewährte sich jedoch im allgemeinennur auf europäischem Boden. Der häufige Mißerfolg überseeischer Filialen ist darinbegründet, daß sie in ihrer Geschäftstätigkeit durch Vorschriften vom grünen Tischdes Mutterlandes her eingeengt werden und sich den besonderen Anforderungenihres Wirkungskreises nicht recht anpassen. Mit Filialgründungen im Auslande gingdie Deutsche Bank voran. Schon ihre Gründer bezeichneten als GeschäftszweckdieGewährung von Bevorschussungskrediten an Exporteure, von Rembours-krediten auf London , wie auf deutsche Plätze an Importeure, sowie die Einführungder deutschen Valuta auf überseeischen Plätzen, damit der deutsche Importeurseine Geschäfte direkt ohne Vermittlung ausländischer Bankhäuser abwickeln könne"(Geschäftsbericht für 1872). Die schon Ende 1871 gegründeten Filialen in Shanghai und Yokohama scheiterten jedoch an Währungs- und andern Schwierigkeiten undwurden mit erheblichem Verluste wieder aufgelöst. Die Filiale der Deutschen Bankdagegen, welche in London am 8. März 1873 unter dem bescheidenen NamenDeutscheBank (Berlin ) London Agency" in Tätigkeit trat, wuchs sich zu einem der mäch-tigsten Bankinstitute Londons aus. Nach langem Zwischenräume folgten die Filialender Deutschen Bank in Konstantinopel und in Brüssel. Die Dresdner Bank unddie Diskontogesellschaft gründeten 1895 und 1899 Filialen in London .

Die größte Bedeutung von allen ausländischen Niederlassungen unserer Kredit-banken besitzen ihre Londoner Filialen. Der Hauptgrund ist der, daß die Londoner Filiale sie in die Lage setzt, Londoner Akzept abzugeben, dessen unser überseeischerWarenhandel als des beliebtesten internationalen Zahlungsmittels nicht entbehrenkann. Auf diesem Umwege durchbrach Deutschland das englische Akzeptmonopol.Hierzu kommt das Effektenkommissions- und Verwahrungsgeschäft, welches anden Londoner Filialen unserer Großbanken infolge des deutschen Börsengesetzesund Börsenstempelgesetzes aufblühte. In gleicher Richtung wirkte die deutscheTalonsteuer, indem die deutschen Banken die Kouponbesorgung ausländischer

*) H. Dove im Bankarchiv v. 15. April 1911, S. 223: Der Einfluß der börsengesetz-lichen Vorschriften auf die Zulasssung ausländischer Wertpapiere zum Börsenhandel.

2 ) W. Otto, Anleihe-Uebernahme- usw. Geschäfte der deutschen Großbanken inUebersee. Berlin , Borussia 1911. P. Brüning, Entwicklung des ausländischen, spezielldes überseeischen deutschen Bankwesens (Heidelberger Dissertation 1907). Material-sammlungen.