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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
Seite
171
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III

Bankenaufbau.

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Die ersten Versuche in dieser Richtung litten an dem allzu großen Vertrauen, das un-sere Banken vom staatsfrommen Deutschland her den ordensübersäten fremden Staats-oberhäuptern entgegenbrachten, die durch Revolutionen so leicht zu Fall kommen,ohne daß ihre Nachfolger um die Schulden der Vorgänger sich kümmern. Vergleichedas Schicksal der La Platabank in Uruguay 1874! Dauernder Erfolg war erstder von der Deutschen Bank 1886 gegründeten Deutschen Ueberseebank beschieden.Für die Beschaffung der notwendigen Umlaufsmittel erwarb sie 1887 gegen Hinter-legung von 4%%igen Staatspapieren das Privileg der Notenausgabe in Argentinien.Die Kursverluste an den zur Notendeckung hinterlegten Staatsanleihen waren je-doch so groß, daß die Bank 1890 auf das Notenprivileg verzichtete. Die Geschäftewurden eingeschränkt, zum Teil floß das Bankkapital an das deutsche Mutter-institut zurück. Das-öffentliche Vertrauen blieb indes der Bank in jener Krisenzeiterhalten, die Depositen nahmen sogar zu. Von 1895 an erfolgte eine Besserung derLage der Bank mit der aufsteigenden Richtung der argentinischen Volskwirtschaft,welche durch günstige Ernten in eine. Periode der Hochkonjunktur eintrat. DieBank überspannte ganze Südamerika mit Filialen. In Mexiko wurde 1899 durch dieDeutsche Bank das Institut Banco Central Mexicano gegründet.

Die Norddeutsche Bank in Hamburg schuf 1887 gemeinsam ihit der Diskonto-gesellschaft die Brasilianische Bank für Deutschland mit einem Kapital von 10 Mil-lionen Mk., Sitz in Hamburg . Durch Festhalten an der Goldbasis und Vermeidungjeder Valutaspekulation konnte die Bankalle Umwälzungen, den Sturz des Kaiser-tums und die Errichtung der Bundesrepublik 1889 mit der Zerrüttung der Finanzenohne Schädigung überstehen". Es ist ein Ruhmesblatt in der Geschichte des deutschen Bankwesens, daß die brasiliänische Regierung die Brasilianische Bank für Deutsch-land mit der Reorganisierung der 1899 zusammengebrochenen Staatsbank betraute.Besonders interessant sind Kurssicherungsgeschäfte der Brasilianischen Bank fürDeutschland . Da die brasilianischen Depositen für den Geschäftsverkehr nichtausreichen, so beschafft man sich das nötige Papiergeld durch Verkauf von Gold-ziehungen auf Europa , deckt aber zu gleicher Zeit diese Ziehungen durch Wieder-ankauf von Goldwechseln auf Termin ein, möglichst zu gleichem Kurs. Allerdingsbedingt die jeweilige Lage des Wechselmarktes öfters eine Schiebungsdifferenzzu Gunsten oder zu Lasten des Wechselgebers. Voraussetzung für diese Art derKursversicherung ist eine breite, vielfach spekulative Wechselbörse, die große,runde Beträge 500, 1000 £ auf Termin gibt und nimmt. Kreolen spekulierengern in ihrer eigenenValuta. Auf solche Weise bleibtdas Goldkapital von den Währungs-verlusten verschont, manchmal zehren allerdings die Beschaffungskosten des Papier-geldes den Zinsverdienst für das Ausleihen desselben auf, da sie nicht selten bis20% pro Jahr betragen. Oefters jedoch verkehrt sich das Bild in das Gegenteil,wenn die Einheimischen auf das Steigen ihrer Währung spekulieren, auf gute Erntenusw. hoffen, so daß die Wechsel auf Termin billiger sind als die sofort zu lieferndenWechsel; dann wird derjenige die Schiebungsdifferenz bezahlen, welcher die Gold-wechsel sogleich benötigt und dafür Papiergeld hingibt. In diesem Falle kostetdie Kurssicherung nicht nur nichts, sondern bringt noch etwas ein.

Durch die Diskontogesellschaft und die Norddeutsche Bank erfolgte 1895 dieGründung der Bank für Chile und Deutschland , welche erheblich unter Währungs-verlusten zu leiden hatte. Zwar besteht in Chile ein Terminhandel in effektivemGold, aber der effektive Goldbestand ist zu klein;um darauf ein so großes Termin-geschäft aufzubauen, wie es die Valutaversicherung bedingt" 1 ). Diese und anderesüdamerikanische Gründungen wurden für die besonderen Zwecke je einer deut-schen Großbank ins Leben gerufen, daher übertrug sich der Wetteifer der europäischenMutterinstitute auf ihre überseeischen Abkömmlinge. Sie beseitigten die Alleinherr-schaft der englischen Banken, bürgerten den Markwechsel in Südamerika ein und

*) Bericht der Brasilianischen Bank für Deutschland 18871912. Verfasser G.H.Kaemmerer,Hamburg . S. 16.