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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
Seite
172
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172 G. v. Schulz e-G aevernitz, Die deutsche Kreditbank. III

entwickelten sich zu Depositenbanken für die Einheimischen, deren Vertrauen siegewannen; sie vermitteln für letztere insbesondere auch die Valuta- und Effekten-spekulation und gewähren Kredite gegen hypothekarische u. a. Sicherheiten. Mitder schrittweisen Stabilisierung der südamerikanischen Währungen durch Export-überschüsse, Goldzufuhr und bewußte Währungspolitik (Konversionskassen!) wirddie Geschäftstätigkeit dieser deutschen Auslandsbanken gesicherter und dem euro-päischen Bankgeschäft ähnlicher 1 ). Ihre Zukunft ist bedroht durch das wirtschaft-liche Vordringen der Vereinigten Staaten, die anders als Europa machtpolitischenDruck säumigen Schuldnern gegenüber zur Anwendung bringen können.

ß. In Ostasien besteht die 1889 mit einem Kapital von 5 Millionen Taels errichteteDeutsch-Asiatische Bank mit dem Sitze in Shanghai und zahlreichen Filialen alsKollektivinstitut sämtlicher deutschen Großbanken. Zwecks Vermeidung desWährungsrisikos wurden die Aktien in Tael-Währung ausgestellt. Sinkende Tael-kurse bedeuten also Sinken der Dividende bei gleichem Prozentsatze. Solche Ver-luste werden durch eine Extradividende aus derValuta-Ausgleichsreserve" ausge-glichen. Die Deutsch-Asiatische Bank bezweckt zunächst die Finanzierung desdeutsch-chinesischen Handels, ins besondere Kurssicherungsgeschäfte für den Handel;ohne solche wäre der europäische Handel in China wilder Hasard! Die Bank kauft,wie oben dargelegt, Goldwechsel der Exporthäuser, Silberwechsel der Importhäuser.Sie kompensiert die Verkäufe gegen die Käufe und deckt die Spitzen durch Termin-geschäft in effektivem Silber auf dem Londoner Silbermarkt. Hierzu kommenFinanzierungsgeschäfte von Staats- und Provinzialanleihen, sowie Gründungsge-schäfte. So gründete die Bank z. B. die Shantung-Eisenbahn- und Bergbauge-sellschaft, sowie Grundstücksverwertungsgesellschaften in Tientsin und den deutschenNiederlassungen in Tsingtau und Hankau. Daneben betreibt die Bank die Noten-ausgabe als unerhebliches Nebengeschäft. Diese Noten sind durch Bürgschaft deut-scher Großbanken, sowie durch hinterlegte Wertpapiere gesichert. Im allgemeinenbegegnet das deutsche Bänkwesen in Ostasien gegenüber der mächtigen englischenKonkurrenz manchen Schwierigkeiten. Zum Teil mag der unbefriedigende Erfolgan der inneren Konstruktion des deutschen Bankunternehmens liegen. Nocharbeiten zahlreiche deutsche Kaufleute mit den alteingesessenen englischenBanken und rühmen die größerenFazilitäten", die sie hier finden, wohl nichtzuletzt wegen der großen Depositenkraft der englischen Banken. Letztere zählenunter ihren Einlegern die englische Regierung, das ganze Heer der britischen undanglo-indischen Beamten, die sich mit 3% bis 4%% Einlegerzins begnügen,wogegen die deutsche Konkurrenzbank auf ihr Eigenkapital angewiesen ist.Allein schon die Pensionen, welche britische Beamte und Offiziere aus Asien beziehen,werden auf 200 bis 300 Millionen Mk. das Jahr geschätzt; wie viel höher sind dieGehalte, die als Depositen großenteils den englischen Auslandsbanken zuströmen!Hierzu tritt seit dem Börsengesetz von 1896 die Schwäche der deutschen Börsen,das Risiko der Prospekthaftung usw. Uebertreibend, aber beachtenswert erklärtder ostasiatische Lloyd vom 30. Okt. 1913:So müssen sich deutsche Kaufleutesehr gegen ihren Willen, da Geld für große Unternehmungen aus Deutschland nichtzu beschaffen ist, nach anderen Verbindungen umsehen und als Pioniere der In-dustrie anderer Länder tätig werden."

4. Die deutschen Kolonialbanken sind zumeist mit der Regelung des kolonialenGeldwesens und des Zahlungsverkehrs der Regierung betraut und stehen unterstaatlicher Aufsicht. So hat die 1905 gegründete Deutsch -Ostafrikanische Bankals Notenbank die Aufgabe, den Geldumlauf im Schutzgebiete zu regeln und dieParität der ostafrikanischen Rupienwährung mit der ostindischen aufrecht zu er-halten. Seit 1906 wurde die Deutsche Afrika-Bank A.-G. in Hamburg eine Tochter-bank der Diskontogesellschaft und der Norddeutschen Bank ein wichtiger Faktor

') Kaemmerer a. a. O. 26.