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Die deutsche Kreditbank / von Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
Seite
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III

Bankenaufbau.

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im Wirtschaftsleben der südwestafrikanischen Kolonie. Da diese Banken als Noten-banken geschäftlichen Beschränkungen unterliegen, so ist die Gründung weitererKredit- und Hypothekenbanken ein Bedürfnis der Kolonien.

b) Die volkswirtschaftliche Bedeutung des deutschen Auslandsbankwesens.Die deutschen Auslandsbanken übernehmen zunächst die Zahlungs- und Kredit-vermittlung für Deutschlands auswärtigen Handel. Damit wird der deutsche Zahlungs-verkehr von der Bevormundung durch die englische Bankwelt befreit und die deutscheZahlungsbilanz verbessert. Die früher von England aus dieser Vermittlung be-zogenen Provisionen kommen nunmehr der deutschen Volkswirtschaft zugute. Bei-spielsweise betrugen (laut Denkschrift, des Reichs-Marineamtes 1905) im Jahre 1888die deutsch-chilenischen Handelsumsätze gegen 60 Millionen Mk., wovon England einen Bankgewinn von y 2 Million Mk. vorweg einstrich. Aber die volkswirtschaft-liche Bedeutung der deutschen Auslandsbanken reicht weiter. Wenn genügend imAuslande eingewurzelt, werden sie Vermittler ausländischer Finanzoperationen.Die deutschen Ueberseebanken halten sich vom Gründungsgeschäfte im allgemeinenfern, beteiligen sich überwiegend nur an staatlichen Emissionen und leiten die eigent-lichen Gründungs- und Finanzierungsgeschäfte dem Mutterinstitute weiter, demsie die Kenntnis und Fühlung mit dem Auslande vermitteln. Die Unterbeteiligung,die sie erhalten, ergibt eine Gefahrenverteilung. Daneben eröffnet sich bei derWeitschichtigkeit überseeischer Unternehmungen der Finanzierungsgesellschaften(Baugesellschaften, elektrischen Gesellschaften usw.) ein breites, wichtiges Feldder Betätigung; solche Finanzierungsgesellschaften sind von der deutschen Groß-industrie (elektrischen Industrie) gegründet worden. Unsere Ueberseebankengeben Industrieaufträge durch ihre Mutterbanken der heimischen Industrie weiter;sie verfolgen zu diesem Zwecke Staatsaufträge und dienen der deutschen Industrieals landeskundige Auskunftsstellen alsFühlhörner und Pfadfinder" der deutschen Volkswirtschaft. Endlich: Durch die Solidität ihrer Geschäftsführung gewinnendie deutschen Ueberseebanken das Vertrauen der ausländischen Bevölkerungenund Regierungen; sie vermitteln auch die Geschäfte der Ausländer untereinander.1907 hatte die deutsche Ueberseebank 79 Millionen Mk. Depositen, mit denen sieEffekten bevorschußte, Wechsel diskontierte usw. Sie befruchten so mit allen Vor-teilen des Bankkredits die unentwickelten Rohstoffgebiete, welch' letztere sie weitüber die Gewinne hinaus bereichern, die sie selbst nach Hause tragen. Einträglichist die Vermittlung der oft hochgehenden Spekulationsgeschäfte der Ausländer inWechseln oder in Effekten. Wichtiger sind die produktiven Kontokorrentkredite,welche tote Naturschätze zu weltwirtschaftlichen Werten erheben.

Ueberall trafen die deutschen Auslandsbanken auf die Konkurrenz der alt-eingesessenen englischenforeign banks", die ihnen heute noch an Geschäftsumfangund Aktienkapital weit überlegen sind. Unermüdliche Arbeit war erforderlich,um im Wettbewerb mit den englischen Instituten Boden zu gewinnen. Die deutschenBanken bemühen sich, ihrem Kundenkreise auf manchen Gebieten für dasselbeGeld Besseres zu bieten, so z. B. durch gründlichere Behandlung der Inkassi. Siepflegen die Technik der Kurssicherung, während die Engländer meist in die Landes-währung hineingehen. Der Hauptvorteil des deutschen Systems besteht darin J ),daß die deutschen Auslandsbanken Zweige ihrerBankgruppe" sind und in blei-bendem, engem Zusammenhang mit ihr stehen. Wenn die überseeischen Geschäftestocken oder die Kursgefahren zu groß werden, so kann man unbeschäftigtes Kapitalohne weiteres nach Deutschland zurücklegen. Die englischen foreign banks sindnicht in gleicher Weise in heimische Bankzusammenhänge eingegliedert. In England befindet sich das überseeische Gründungsgeschäft vielfach in der Hand besondererSyndikate oder Promoters. Diese heimsen durch Ausgabe von nicht bar eingezahltenKleinaktien einen möglichst hohen Gewinn ein und verweisen das kaufende, meist

x ) Diouritch, l'Expansion des Banques allemandes ä l'Gtranger. Paris 1909. S. 133,210, 221.