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Zum Vergleiche führe ich nach Erisman folgendebäuerliche Ernährungswerte an. Die erste Reihe dürfte diegewohnheitsmäfsige Lebenshaltung des Moskauer Gouverne-ments darstellen, die zweite die Proletarisierung breiter Teiledes mittelrussischen Bauernstandes bezeichnen.
Eiweifs
Fett
Kohlenstoff
I. ß.uii 1 1 ; m Moskauischen (nachII. Hauer | Skibnebski)
14792
5328
750495
Auch hinsichtlich der Auswahl der Lebensmittel hält dieArtellkost das Gewohnheitsmäfsige fest. Fast der ganzeBetrag der Nährwerte wird dem Pflanzenreiche entnommen.In Rufsland sind allein 180 Tage des Jahres Fasttage. DasFleisch spielt in den Moskauer Artellkitchen eine geringeRolle, freilich auch die im Westen zu trauriger Berühmtheitgelangte Kartoffel. Brot und Buchweizen bilden den Haupt-bestand der Artellkost-, ihnen wird nach Erisman 76 1 /2 °/odes Eiweifses und 91V2 °/o des Kohlenstoffes entnommen. Fettwird in Gestalt von pflanzlichen Ölen genossen.
Diese Kost ist einföx-mig, reizlos und schwer verdaulich;es ist die Kost eines Bauers, welcher in freier Luft harteKörperarbeit verrichtet. Aber der mitteh-ussische Fabrik-arbeiter steht gesundheitlich unter weit ungünstigeren Be-dingungen; er arbeitet in geschlossenen, oft schlecht ventiliertenRäumen. Die geschilderte Ernährungsweise ist für ihn nurso lange möglich, als er periodisch zum Lande zurückkehrtund eine bäuerliche Konstitution von seinen Eltern ererbt.Nur unter dieser Bedingung ist es für ihn möglich, solcheMassen tiefschwarzen Roggenbrotes in sich aufzunehmen, wiesie in Jahren guter Ernte der russische Bauer verschlingt.Aus diesem Grunde ist die Abweichung vom gewohnheits-mäfsigen Dasein, wie sie der Verfall der Artelle mit sichbringt, auch wenn sie zunächst eine Verminderung der Nähr-