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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
Entstehung
Seite
320
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eingehendere Untersuchung hätte hierbei nicht nur die volks-wirtschaftliche, sondern auch die reiche belletristische Litteraturzu Rate zu ziehen.

Mit einem Humor, durch den die Thränen hindurch-schimmern, hat z. B. Terpigorjeff 1 an einzelnen Beispielen be-schrieben, in welcher Weise der Adel die Ablösungsgelderunproduktiv durchbrachte, wie er dann zur Hypothezierungseiner Güter schritt, um mit den so erhaltenen Summen nichtanders zu verfahren. In gleicher Weise griff der Adel dasKapital seiner Wälder an, welche bis dahin durch dieSchlechtigkeit der Verkehrsmittel geschützt waren. Aus demgenannten Buche geht hervor, wie sich die Maschinen, mitdenen man die leibeigene Arbeit zu ersetzen suchte, in derHand des Adels als ungefüge Diener erwiesen. Erinnert seian jene ergötzliche Geschichte, in welcher ein Gutsherr aus-ländische Maschinen kommen läfst, welche darum nicht besserfunktionieren, weil er die Bedienungsmannschaftals Deutscheverkleidet". Es wiederholt sich hier die schon oben betonteErfahrung, dafs die moderne Technik gewisse psychologischeBedingungen voraussetzt, und diesen Bedingungen entsprichtder adlige Gutsherr in geringerem Mafse, als selbst der Bauer.

Je mehr die aus der Ablösung stammenden baren Mittelhinwegschwanden, desto mehr wurde die gutsherrliche Eigen-wirtschaft eingeschränkt und, wie einst zur Zeit der Leib-eigenschaft, das Gutsland wieder mit bäuerlichem Inventarbestellt. Solche Güter stellen nach Thun den vollsten Verfalldes Landbaues dar.Früher lebten die Besitzer doch nochauf ihren Gütern und obwohl wenig, beschäftigten sie sichdoch immerhin mit der Landwirtschaft, führten irgend welcheVerbesserungen und landwirtschaftliche Gewerbe ein; sie be-mühten sich, ihr Gut auf der einmal erreichten Höhe zubewahren und hielten deshalb Vieh, um das Land zu bedüngen.Jetzt herrscht auf den Gütern die schonungslose Exploitationder Bauern 2 ."

1 Skizzen des gutsherrlichen Verfalls. Petersburg 1881.

2 Th im, Landwirtschaft und Gewerbe in Mittelrufsland. S. 13.