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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
Entstehung
Seite
378
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Worte kamen h Schon seit Anfang der achtziger Jahre habensie sich zu Gesetzentwürfen verdichtet. Aber Rufsland unter-scheidet sich von manchen parlamentarischen Staaten West-europas zu seinem Vorteil durch die umständliche Art, inder die Gesetzgebungsmaschine arbeitet und die EntwürfeJahre lang gesiebt werden. So geschah es, dafs die demGemeindehesitz günstige Zeitströmung ihren gesetzgeberischenAusdruck erst in den Tagen fand, da die Flutwellevolks-tümlicher" Wirtschaftsauffassung_ bereits ihren Höhepunktüberschritten hatte.

Trotz der Kompliziertheit dieser Fragen im einzelnenstehe ich nicht an, die Tendenz des Gesetzes vom 14. De-zember 1893 zu verurteilen. Es entspringt den Anschau-ungen der Leibeigenschaft, welche heute alle Bauern auf dasNiveau der früheren Staatsbauern herabdrücken möchten.Stimmen, welche alles Bauernland als Staatseigentum reklamierenund staatliche Regulierung der ganzen Bauernwirtschaft ver-langen, sind auch heute noch in der russischen Presse undGesellschaft häufig zu hören. Auch in seiner praktischenWirkung scheint mir das genannte Gesetz verurteilungswert:es erschwerte die Loslösung Einzelner aus der Gemeinde, denzur Zeit allein gangbaren Weg zum Individualbesitz; esschädigte damit die Interessen der besseren Bauern, jenerstaatlich wichtigsten Klasse im heutigen Rufsland.

Leser, welche sich über beide Gesetze näher orientierenwollen, finden auch einiges Material in deutscher Sprache 2 .

Noch heute hängen die phantastischen Wolkengebilde dervolkstümlichen" Nationalökonomie in den Niederungen derProvinz. Ein Glück für Rufsland dagegen: die der Centrai-regierung erhebt sich über das Nebelmeer und ragt in dasLicht einer realistischen, darum nicht ausschliefslich west-europäischen Wissenschaft. Es scheint zweifellos, dafs man

1 Vergl. die dem Gemeindebesitz sehr geneigte Äufserung des

Staatssekretärs Dumowo, Ökonomische Rundschau, Nov. 1897, S. 77.

3 Brauns Archiv, Band VII, S. 642, Artikel von Paul Struwe;ferner Simkhowitsch a. a. 0. S. 379 ff.