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zu nähren — es sind Gegenden, deren Klima den Anbau desWeizens und zum Teil auch der Zuckerrübe gestattet.
Diese Thatsache ist merkwürdig genug; aber sie wirdmerkwürdiger, wenn man ihr Auge in Auge gegen übertritt.Ich fordere daher den Leser auf, mich in die Notstands-gegenden Rufslands zu begleiten. Der Ausflug ist von Moskau aus unschwer zu unternehmen, da das Gebiet von Eisenbahnendurchschnitten ist.
Ich verliefs die Eisenbahn in der Kreisstadt B. im Tula-schen Gouvernement. Der das Städtchen überragende Schlotzeigte mir von fern, dafs das moderne Wirtschaftssystembereits seinen Fufs in das Land gesetzt hat. Auf meine Frageerfuhr ich, dafs der Schlot einer grofsen Zuckerfabrik an-gehöre — ein Beweis für den Reichtum des Bodens. WelcherGegensatz: auf der Eisenbahnstation sah ich zugleich das Holz-depot des Roten Kreuzes, zu welchem die Bauern mit kleinenSchlitten und kleinen abgezehrten Pferdchen herangefahrenkamen, um zu ermäfsigten Preisen das unentbehrlichste Brenn-material zu kaufen. Schweigend drängten sie sich um denEingang des Hofes, wo das Holz abgemessen wurde, währenddie Pferde mit hängendem Kopf, kaum fähig, sich auf denBeinen zu halten, nach den herumliegenden Stroh- und Heu-halmen schnappten; schweigend belasteten die Bauern dieSchlitten mit wenigen Scheiten; die Schlitten sind klein undschon ihre gewöhnliche Befrachtung ist äufserst gering; umso geringer aber war sie hier, wo die Pferde wenig mehr alsHaut und Knochen darstellten. Schweigend zogen die Bauernvon dannen, während andere kamen; der russische Bauer istein Held jenes buddhistischen Lebensgrundsatzes: Widerstehenicht dem Übel.
Ein günstiger Zufall führte mich bei Beginn meinerWanderung mit einer jener für das russische Landlebentypischen Gestalten zusammen, welche Wallace unter demNamen Karl Karlitsch beschrieben hat: dem deutschen Guts-verwalter. Diese Klasse, vom Volke durch eine Kluft ge-schieden, zeigt oft nur geringes Verständnis für die innerenund geistigen Seiten des Volkslebens; dagegen beurteilt sie
v. Schulze-Gaevernitz, Studien a. Rufsl. 25