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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
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Dreifelderwirtschaft neu umgeteilt, und damit fehle jedesInteresse des Bauern an der nachfolgenden Ernte. Die Felder,welche sich im Gemeindebesitz befänden, würden schlechthinnie gedüngt; vielmehr diene das Stroh dem Bauern als aus-schliefsliches Brennmaterial. Eng mit dem Dreifeldersystemhänge auch der Viehmangel zusammen, welcher nur durchden Anbau von Futtergewächsen zu heben sei. Den wenigenDünger, den der Bauer habe, verwende er zur Düngung des'im Privateigentum befindlichen Gartens, ja eher der Pacht-felder, als seines Anteils am Gemeindeland. In seinem Gartenbaue er die Zuckerrübe zum Vex-kauf. an die Fabrik; aberdiese Bauernrübe habe um 25 °/o weniger Zuckergehalt alsdie Gutsrübe.

Während so der Bauer das Land nach der Weise derVäter bewirtschafte, habe sich die Bevölkerung vermehrt;vielfach käme auf die männliche Seele nicht mehr alsV3 Defsjätine, und hieraus ergäbe sich, wenn man die durch-schnittliche Produktion bei so extensiver Wirtschaft in Be-tracht zöge, die Notwendigkeit periodischen Hungers. DieseNotwendigkeit würde noch gröfser sein, wenn die Aus-wanderung nach den östlichen Gouvernements und Asien nicht einen steten Abflufs der Bevölkerung ermögliche; auseinem Dorfe in der Nähe seien von 350 Höfen 40, aus einemandern von 100 Höfen 30 während des gegenwärtigen Not-standes fortgezogen.

Im Vergleich mit der alten, von Karl Karlitsch ge-priesenen Zeit der Leibeigenschaft habe sich die Lage derBauern zweifellos verschlechtert nicht erst als Folge derletzten schlechten Ernten. Früher, vor den grofsen Reformen,produzierte der Bauer für eigenen Verbrauch; was er in gutenJahren nicht aufzehrte, wurde bei den schlechten Wegen unddem mangelnden Verkehr aufgespeichert und diente als Rück-halt für die Zeit des Mifswachses. Bares Geld brauchte derBauer nicht; höchstens das Salz und die eiserne Spitze desPfluges waren zu kaufen. Dem Gutsherrn leistete er lediglichArbeit und Naturalabgaben. In schlechten Zeiten hatte der

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