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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
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Drittel der Flur, das zum Wintergetreide bestimmt ist, untersich verlosen; ähnlich verpachtet auch der benachbarte Guts-herr alljährlich ein Drittel seines Ackers neu für eine drei-jährige Wirtschaftsperiode. Die Gewanne des Gutslandeswerden, ähnlich wie die Dorfflur, nach Defsjätinen zerschnittenund unter die Anwärter verlost. Im südlichen Bezirke, wodie Bauern gar Winter- und Sommerfeld unter sich alljährlichverlosen, verpachtet auch der Gutsherr je 2 ls seiner Flur aufJahresfrist an die Bauern, während die Teilnahme an derBrachweide auf dem Gutslande hier besonders vergeben wird.Die Bauern zahlen grofsenteils in Geld; doch besteht daneben,möglichst vom Gutsherrn vermieden, der Teilbau. Letzterernämlich saugt das Land noch mehr aus, als selbst die kurz-fristigste Geldpacht, welche die Abgabe wenigstens fest be-mifst und dem Bauern den gesamten Uberschufs frei läfst.

Das geschilderte Pachtsystem bedeutet augenscheinlichunter veränderter Bechtsform den Fortbestand der früherenHörigkeitsverhältnisse; es erinnert an die Zeit, da der Bauermit seinem Inventar die Felder des Gutsherrn bestellte. Dementspricht auch gegenwärtig die Sicherheit des Verpächters:Nadjel und Arbeitsvieh des Bauern sind der Exekution ent-zogen, ähnlich wie der Staat auch früher die Erhaltung derhörigen Bauernstellen verlangte. Dagegen ist das Getreide aufdem Felde heute thatsächlich, so wie früher, Eigentum desVerpächters; der Pächter darf es erst fortführen, wenn er diePachtsumme bezahlt oder der Verpächter die ausdrücklicheErlaubnis erteilt.

Diese kurzfristige Pacht entspricht der Unsicherheit derbäuerlichen Besitzverhältnisse überhaupt: die Lage der meistenbäuerlichen Wirte ist so unsicher, dafs auch bei langdauerndenVerträgen keineswegs die thatsächliche Durchführung gewähr-leistet wäre. Auf der anderen Seite entspricht dieses Pacht-system der niederen Stufe der bäuerlichen Technik; auch beilangdauernden Verträgen wäre zunächst eine sorglichere Be-handlung des Bodens keineswegs gewährleistet. EineVeränderungdieses Pachtsystems, das augenscheinlich allen Regeln rationellerLandwirtschaft widerspricht, ist demgemäfs so leicht nicht zu