erwarten. Voraussetzung wäre, dafs der Bauer erst am eigenenLande langdauernde Rechtsverhältnisse ausbilde, womit dieVerbesserung der Technik voraussichtlich Hand in Hand ginge.Diese Voraussetzung dürfte in den von mir bereisten Bezirkeneher bei den Staats- als bei den Gutsbauern zutreffen, eherim Süden als im Norden. Denn im Süden sahen wir einigekräftige Wirte sich über der proletarischen Masse empor-entwickeln, Leute, welche dem Verpächter für langdauerndeVerträge genügende Sicherheit gewähren könnten.
Auf Grund der geschilderten Besitzverhältnisse stellensich die thatsächlichen Betriebsgröfsen der bäuerlichen Wirt-schaften als äufserst flüssig dar. Jedoch hatte ich folgendenallgemeinen Eindruck. Im Norden fand ich eine breiteMasse bäuerlicher Kleinbetriebe; die mittleren, Nadjel undPachtland zusammengenommen, umfafsten 6 bis 7 Defsjätinen.Die Differenzierung zwischen Arm und Reich schien gering;ich traf wenig viehlose Wirte; die meisten hatten 1—2 PaarOchsen, keiner über drei. Das Pachtland des Gutes war untermehr als 500 Pächter verteilt, und durchschnittlich kamenauf den Pächter nicht mehr als drei Defsjätinen. Ein breiterTeil der Bevölkerung war, um Steuern und Pachten auf-zubringen, auf auswärtigen Tagelohn und Nebenerwerb an-gewiesen.
Im Süden fand ich dagegen eine breite untere Schichtin völlig proletarischer Lage, zahlreiche viehlose Wirte, viel-fach Neigung zur Dereliktion der Nadjele.
Daneben aber traf ich einzelne aufstrebende Bauernwirt-schaften, welche Betriebsgröfsen aufwiesen, die im Nordenunbekannt sind; neben Zwergpächtern von 1 Defsjätine wiesdas von mir besuchte Gut im südlichen Bezirke Pächter biszu 40 Defsjätinen auf. Eine zahlenmäfsige Erfassung diesergröfseren Betriebe dürfte unmöglich sein; vielmehr ver-schwimmen die Grenzen in Fällen, wenn z. B. der Gläubigerdas Feld des Schuldners in Zahlung nimmt und von diesemim Teilbau bestellen läfst.
Zweifellos sind die Verhältnisse, die wir im Norden trafen,