Print 
Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
Place and Date of Creation
Page
416
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

die idyllischeren. Sind sie auch die zukunftsvolleren? Hierübersoll uns ein Blick auf die häuerliche Technik Aufschlufs ge-währen.

Die bäuerliche Technik steht in den bereisten Bezirkenauf niederer Stufe. Die Gründe scheinen mir mehrfacherArt. In erster Linie steht das geringe Interesse des Bauernan dem Land, welches er wegen der darauf ruhenden Lastenund der steten Gefahr einer Neuumteilung wie ein unfreierFröhndner bestellt. Der Reichtum des Bodens und eine ge-wisse Gunst des Klimas aber machen selbst eine äufserstniedere Technik immerhin noch lohnend; ähnlich wirkt endlichdie stete Möglichkeit der Auswanderung, die den vorwärts-treibenden Einflufs des Bevölkerungsgesetzes auf die Technikabschwächt.

Das Anlagekapital der bäuerlichen Wirtschaft ist in denbereisten Bezirken äufserst gering. Es besteht aus dem Wohn-hause; dasselbe ist im Norden aus Holz, im Süden vielfachaus Flechtwerk hergestellt, dessen Fugen mit getrocknetemDung verstrichen sind. Die Häuser sind mit Kalk geweifstund tragen Strohdächer. Hinter dem Hause befindet sich derHof, auf dem allgemein im Freien gedroschen wird; dahintergewöhnlich ein Schuppen zur Schüttung und Aufbewahrungdes gedroschenen Getreides (Ambar); daneben eine odermehrere halbgedeckte, aber seitlich offene Umzäunungen(Sarai), in welchen das Yieh Sommer und Winter im Freiennächtigt. Eine Scheune fehlt. In grofsen Schobern steht aufdem Hofe das Stroh und daneben in Ziegeln der getrockneteDünger, welcher als Brenn- und Baumaterial dem Bauern wert-voll ist. Wer einen solchen Hof gesehen hat, begreift dieLeichtigkeit, mit der der Bauer seine Heimstätte aufgiebt undin die unbekannte Ferne zieht: ein Nomade, der erst vorkurzem sefshaft geworden ist.

Im Norden wie im Süden fand ich die unverbesserteDreifelder-Wirtschaft allgemein herrschend, womit eine geringe