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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
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mehr vom Boden verlangenden Winterweizen, die Hauptfruchtgut geleiteter Gutsbetriebe in der bereisten Gegend; selbstden Anbau des Sommerweizens hat er vielfach eingeschränkt,infolge der Erschöpfung des Landes. Geradezu erstaunlichsind die Unterschiede des Ernteerträgnisses von gedüngtenund gut bearbeiteten Äckern und den erschöpften Bauern-ländereien. Hierfür folgendes durch Befragung beider Teileermitteltes Beispiel: die betreffenden Gutsfelder stehen unterDüngung und bearbeiteter Schwarzbrache, aber auch dieBauernäcker dürften eher über als unter dem Durchschnittdes Bezirks sich befinden.

Ernte 1895 pro Defsjätine:

Gutsfeld Bauernfeld

Winterweizen 156 Pud nicht gebaut.Roggen 169 45 PudSommerweizen 88 35

Aber die Verschiedenheit der Erträgnisse wird noch da-durch zu Ungunsten der Bauern verschoben, dafs das Bauern-getreide durch Zumischung von Unkrautsamen und anderenUnreinigkeiten verschlechtert wird. Die Bauern selbst machensich um diese Zuthaten wenig Sorge; sie vermählen und ver-backen sie mit. Wenn sie dagegen zum Verkaufe gezwungensind, so wird der Preis ihrer Waare durch die vorhandenenBeimischungen gedrückt. Nur so ist zu erklären, dafs dieBauern zu Preisen verkaufen, welche tief unter den Markt-preisen und den von den Gütern erhaltenen Preisen stehen.Anfang September 1895 stand in Rostoff der Marktpreis fürWeizen auf 45-64 Kopeken pro Pud; die Gutsbesitzer ver-kauften in dem von mir bereisten Bezirk zu 45 Kopeken, dieBauern zu 3035 Kopeken. In derselben Zeit verkauftendie Bauern Roggen zu 2025 Kopeken, die Gutsbesitzer zu35 Kopeken. Dieser Unterschied mag allerdings teilweiseauch auf die Ungunst der Lage des Kleinverkäufers gegenüberdem Grofsverkäufer zurückgehen jedoch spielt gewifs dieschlechtere Qualität eine bedeutende Rolle.

Das Erstaunen der Reisenden erwecken die winzigenBauern wägeichen mit den armseligen Pferdchen davor, deren

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