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die Lockerung des Bodens mittels eines dem Exstirpatorähnlichen Gerätes beschränkt. Dasselbe besteht aus einemhölzernen Querbalken, an welchem sich in Zwischenräumenvon etwa fünf Zoll drei bis sechs eiserne Zähne befinden, mitdenen der Boden geritzt wird. Ja, ich hörte, dafs der Bauernicht selten einfach auf die Stoppel sät und dann mittels dessoeben beschriebenen Gerätes die Saat mit der Erde ober-flächlich vermischt.
„Vielleicht" (awos!), der im russischen Volksmunde sobeliebte Ausdruck fatalistischer Unthätigkeit, wäre die be-zeichnende Unterschrift unter das Bild eines sein Feld in an-gegebener Weise bestellenden Bauern. Alles ist den Zufällender blind waltenden Natur überlassen; das Zuthun des Menschenist auf das geringst mögliche Mafs beschränkt.
Der Drusch geschieht unter freiem Himmel auf dem Hofe,denn der Bauer besitzt aufser Hütte und Vorratskamm Br-amhar) keinen gedeckten Raum. Bei den Gutsbauern — imGegensatz zu den Staatsbauern und Kosaken — habe ich denDreschflegel noch im allgemeinen Gebrauch gefunden; ja, ichhabe sogar gesehen, dafs vereinzelt in alttestamentlicher Weisedas Getreide aus den Garben durch die Füfse des Arbeits-viehes ausgetreten wurde.
Die Beschränkung der Weide und der Brache bei ein-seitigstem Getreidebau führt zur Verminderung der Viehhaltung.Dort, wo man die Weide aufgegeben hat und alles Land jahraus,jahrein pflügt, ist das Vieh häufig wegen Mangels an Nahrungso entkräftet, dafs es zur schweren Feldarbeit überhaupt nichtfähig ist. Hiermit hängt zusammen die verminderte Tiefe derPflugfurche. An Stelle des bisher üblichen Pfluges, welcheran 3 Zoll tief pflügt und mindestens ein Paar Arbeitsochsenerfordert, greift der Bauer zur Socha, die er mit einem StückArbeitsvieh handhaben kann; freilich pflügt die Socha nurD/2 Zoll tief. Bei fortschreitender „Entkräftung" giebt derBauer die Pflügung überhaupt auf.
Folge der bezeichneten Wirtschaftsweise ist eine zu-nehmende Erschöpfung und Verunkrautung der Bauernäcker.Nirgends baut der Bauer den ertragsreich eren, aber auch