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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
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liegen auf dem Gebiete der landwirtschaftlichenTechnik. Früher herrschte in der bereisten Gegend undherrscht noch heute auf dem Boden der Güter die Feldgras-wirtschaft; ein Stück Feld wird eine Reihe von Jahren be-haut, dann rückt der Ackerbau auf ein benachbartes StückLand, während das bisher bebaute Feld längere oder kürzereZeit, jedenfalls eine Reihe von Jahren, als Weide ruht.

Die Bauernbefreiung gab den Bauern zu wenig Land,dieses System fortzusetzen; andererseits hemmten zu hohe Lastenden Geist individualistischen Fortschritts und intensiver Arbeit.Daher kamen die Bauern dazu, die Weide immer mehreinzuschränken, ohne darum zu einem geregelteren Systemdes Ackerbaues, etwa der Dreifelderwirtschaft, überzugehen.So fand ich Fälle, in denen dasselbe Feld sechs Jahre langmit Getreide bestellt und dann nur drei liegen gelassenwurde; in anderen Fällen wurde nur noch ein Teil der Dorf-flur periodisch unter Weide gelegt, alles übrige ununterbrochenbebaut. In den meisten Fällen aber ist der Bauer noch einenSchritt weiter gegangen: er bebaut alljährlich unausgesetztund ohne Düngung das gesamte Areal des Dorfes mit Getreide.Es bedeutet dies also Einsaat des Wintergetreides sofort aufdie Stoppel des Sommergetreides ein für den sorglichenLandwirt unerhörtes Vorgehen. Beispiel derartigen Frucht-wechsels ist folgendes: Roggen, Sommerweizen, Roggen,Gerste u. s. w. Im Falle der Erschöpfung des Bodens säetman Buchweizen. Nach der Statistik der Landschaft bebauenvon 270 Gutsbauerngemeinden 145 ununterbrochen das Acker-feld in der angegebenen Weise; von diesen haben 109 über-haupt keine Weide, sondern bestellen die gesamte Dorfilur.Aber auch in den übrigen Gemeinden wird meist nur einemBruchteil des Feldes zeitweise Ruhe gegönnt.

Dabei ist die Bearbeitung des Ackers, wie ich auf meinerReise vielfach beobachtete, eine äufserst primitive. Man pflügtmit der Soeha (Hackenpflug) oder dem kleinrussischen Pfluge,dessen Pflugschar noch häufig genug aus Holz lediglich miteisernem Rande besteht. Gar nicht selten aber kommt esvor, dafs man das Pflügen überhaupt unterläfst und sich auf

v. Schulze-Gaevernitz, Studien a. Rufsl. 28