— 444 -
kennen lernte, fand ich in Kobeljaki einen Kleinadel, derzum gröfseren Teil ein bäuerliches Dasein führt. Die Mehr-zahl des Adels im Bezirke besteht aus sogenannten „Halb-herren" (polupanki), d. h. Adeligen, welche weniger als50 Defsjätinen besitzen und daher gezwungen sind, mit eigenerHand den Pflug zu führen. Im Bezirke befanden sich 18831469 landwirtschaftliche Betriebe, welche weder Bauern nochKosaken , also vorwiegend dem Adel gehörten, offiziell soge-nannter „Privatbesitz"; von diesen Betrieben waren 1163unter 50 Defsjätinen grofs, gehörten also zwar nicht recht-lich, wohl aber wirtschaftlich zu dem, was wir in deutscherSprache „bäuerliche" Betriebe nennen.
Diese Thatsache erscheint nun um so wichtiger, wennman diesocialeSchichtung der Kosaken selbst betrachtet:unter ihnen überwiegt der dem Kleinadel nahestehende Grofs-bauer, selbstverständlich nicht der Zahl, wohl aber demwirtschaftlichen Schwergewicht nach.
In Rufsland findet man oft, dafs „Bauern" im Sinneder ständischen Gliederung keineswegs Leute sind, die aus-schliefslich von einem landwirtschaftlichen Betriebe leben;insbesondere die gewesenen Gutsbauern sind grofsenteils aufErwerb durch Lohnarbeit angewiesen.
Bei den Kosaken von Kobeljaki dagegen findet sich einebreite Masse von unabhängigen landwirtschaftlichen Betrieben.Alle Besitzer von mehr als sechs Defsjätinen können nachAnnahme der Landschaft zu dieser Klasse thatsächlicherBauern gerechnet werden.
Aber ein Besitz von sechs Defsjätinen, gerade genügendzum Leben und zur Steuerzahlung, beschäftigt noch nicht volldie Arbeitskräfte einer Familie; dies ist bei 15 Defsjätinender Fall, und je mehr die Maschinenanwendung, insbesonderedie Mähmaschine und Dreschmaschine, um sich greift, destomehr wächst diese Gröfse auf 30 und mehr Defsjätinen. Ichzeigte oben, dafs diese Betriebsgröfse das durch Anerbenrechtgesicherte Mindestmafs der deutschen Kolonistenwirtschaft bildet,dafs die kräftigeren russischen Bauern, insbesondere Staats-bauern, sie im einzelnen Fall auf dem Wege des Zukaufs,