Unfreien ist. Im Gegensatz zu den kleinrussischen Kosakenpflegen die donschen Kosaken einen grofsen Teil ihres Landeszu verpachten, und trotz ihrer sehr reichlichen Landaus-stattung auf fruchtbarstem Boden hört man heute von ihnenwachsende Klagen über Landmangel. Das einseitig kriegerischeLeben dieser Kosaken, welches sie von wirtschaftlicherThätigkeit abzieht, bewirkte einen starken Zuflufs von aufsenin das donsche Kosakengebiet. Diese „Auswärtigen" dienenden Kosaken als Tagelöhner, Pächter und Handwerker.Einige von ihnen aber haben sich als Händler und Kredit-geber an der Unwirtschaftlichkeit der Kosaken bereichert.Sie sind „die Gutsherrn der Kosaken , welche sich ihrer Frei-heit rühmen" 1 .
Anders die kleinrussischen Kosaken, welche wir inKobeljaki besuchen. Gewaltsam, aber zu ihrem Vorteil einstin das Erwerbsleben hinabgestofsen, wissen sie den Landmangeldurch Zukauf und Zupacht, also durch wirtschaftliche Selbst-hilfe zu vermeiden. Energisch dringen sie in die Nachbar-gebiete vor, statt selber Ausbeutungsobjekte „Auswärtiger"zu sein.
Noch heute bilden die Kosaken Poltawas einen besonderenStand, rechtlich ebenso getrennt von den benachbarten Bauernwie von dem Adel; aber mit beiden sind sie blutsverwandt,beiden drücken sie ihren Stempel auf. Die Bauern jenerGegend sind gröfstenteils Abkömmlinge von Kosaken , welchezur Unfreiheit herabsanken — nur zum kleinen Teil stammensie von Grofsrussen ab, welche Moskau zur Pacifizierung desKobeljakischen Bezirkes an dem Flüfschen Orel ansiedelte.Dafs der Adel grofsenteils von den Kosaken herstammt, zeigtsich schon darin, dafs er wirtschaftlich nur wenig über siehervorragt. An Stelle des auf Schenkung beruhendenLatifundiums, das ich im Konstantinogradschen Bezirke
1 So „Petersburger Nachrichten", 26. Juli 1898. Die Frage derDonschen Kosaken wird in der russischen Presse viel besprochen;gegenwärtig tagt zur Abhilfe der Notlage in jenen Gegenden eineRegierangskommission.