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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
Entstehung
Seite
455
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des örtlichen Sachkenners, Herrn Wasilenko, welche mit denStudien des Professors Lutschitzki genügend übereinstimmen,herrschte früher weitgehende Gemengelage eine Folge dersich zersplitternden ideellen Anteile der einzelnen Höfe ander Gemeindeflur. Demgegenüber stand ein strenger Flur-zwang, welchen die Gemeinde dazu benutzte, einen Teil derFelder periodisch dem Ackerbau zu entziehen und als Weideliegen zu lassen. Auf dieser Weide hatte jeder das Recht,soviel Vieh, als er hatte, zu weiden.

Darüber hinaus lagen die gemeinsamenSteppen", aufdenen in alter Zeit jeder nach Belieben pflügen konnte. Diehier angelegten Felder waren dem Flurzwang entzogen. Soentstanden vermutlich zahlreiche Einzelhöfe, aus ihnen durchTeilung vielleicht wieder Weiler, vielleicht Dörfer, wie dennz. B. Tochtergemeinden, welche mit den Muttergemeinden nochdurch gemeinsamen Landbesitz verbunden sind, in Rufslandnicht zu den Seltenheiten gehören. Indem die Steppen all-mählich in Besitz genommen und bepflügt wurden, ergab sicheine fortschreitende Verminderung der ewigen Weiden.

Dieses System wurde durch die Landvermessung und dieZusammenlegung gesprengt. Beide Mafsregeln wirkten zu-gleich bei dem geringen Wert der vorhandenen Baulichkeitenin der Richtung der Auseinandersiedlung. Die Folge war Auf-hebung des Flurzwanges für die gröfseren Wirtschaften undBeschränkung der gemeinsamen Brachweide. Es ist klar, dafsdie kleineren Wirte unter dieser Einengung der Weide littenund zur Beschränkung des Viehstandes gezwungen wurdenein Mittel zu ihrer Proletarisierung.

Dagegen konnte mit Sprengung der alten Landverfassungdie Wirtschaft der gröfseren Kosaken einen Charakter an-nehmen, ähnlich der früher kennen gelernten Wirtschaft derdeutschen Kolonisten: äufserste Ausnutzung der Bodenkräftezwecks möglichst grofser Getreideproduktion für den Markt.Hiervon hatte ich auf meinen Reisen im Poltavischen wieder-holten Anlafs, mich selbst zu überzeugen. Der Kosak bautvorwiegend Weizen und Gerste als Verkaufsware, währender selbst Roggenbrot ifst. Über die Hälfte der gesamten