Europa vielfach, sich der Zahlungsmittel der Eingeborenen zubedienen, während die breiten Volksschichten jenes kontinen-talsten Gebietes der Welt in ihren Zahlungsbeziehungen unter-einander den goldenen Weltherrscher noch heute beharrlichignorieren. Unter diesem Gesichtspunkt war die Berliner Rubelbörse mit dem Londoner Silbermarkte zu vergleichen.
Deutschland stand seit alters mit Rufsland in engemGrenz- und Kleinverkehr, dies schon zu einer Zeit, da injenen Gegenden bankmäfsige Zahlungsmethoden völlig un-bekannt waren. Zudem handelten hier Bevölkerungsklassenmiteinander, welche jedes Kredites und daher jedes kredit-mäfsigen Zahlungsmittels entbehrten. Der russisch -polnischeGutsbesitzer, sowie der jüdische Kleinhändler, welche land-wirtschaftliche Erzeugnisse über die preufsische Grenze ver-kauften, wollten Rubel sehen. Der deutsche Fabrikant, welchernach Rufsland verkauft hatte, reiste wohl selbst, um seineForderungen einzukassieren; diese Reise wurde, wie ich ausFamilienerinnerungen weifs, um die Mitte des Jahrhundertsseitens der Verwandten und Freunde noch als ein Wagnis be-trachtet; ging alles gut, so brachte er Rubelnoten zurück.So wurden seit alters in Breslau und Königsberg Rubelnotengehandelt. Später sammelte sich dieser Markt in Berlin .
Aber auch der gröfsere Handelsverkehr, welcher eineFolge der Eisenbahn und des Dampfschiffes war und mit demGetreidezufuhrbedürfnis Deutschlands rasch zunahm, hatte mitder mangelhaften Entwicklung des Bankwesens in Rufslandzu rechnen. Grofse Ausfuhrplätze, wie z. B. Nicolajeffsk,Rostoff, Eupatoria waren keine Bankplätze, so dafs derrussische Exporteur oder Gutsbesitzer mit Devisen auf Deutsch-land nichts anzufangen wufste. Er wollte in Rubelnoten be-zahlt sein, welche der deutsche Getreidehändler in Berlin kaufen mufste. Auch der deutsche Fabrikant, welcher inRufsland vielleicht eine Filiale errichtete, fand nicht leichtDevisen, in denen er seine russischen Eingänge nach Deutsch-land hätte remittieren können. Auch hier diente die Rubel-note als bequemes Zahlungsmittel, da sie auf dem Berliner Markte stets in deutsche Währung umzusetzen war.