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deutschen Einfuhrhauses, welches in Berlin Rubel auf De-zember kauft.
Die grofse Masse der Getreideversendungen Rufslandswird heute anders bezahlt: der russische Exporteur verkauftin Mark, z. B. im August für den Dezember. Gleichzeitigmit Abgang der Ware und Indosso des Konnossements ziehtder russische Exporteur auf das deutsche Einfuhrhaus oderauf dessen Bank einen Dreimonatswechsel in Reichsmark hEr kann nicht abwarten bis dieser Wechsel verfällt. Vielmehrverkauft er den Wechsel, welcher auch vor eingeholtem Acceptdurch das angeheftete Konnossement und den Versicherungsscheinseinen selbständigen Wert besitzt. Gemeinhin sammeln sich dieseWechsel in den Portefeuilles der Berliner Grofsbanken, welchegegen Accept oder Zahlung dem Bezogenen das Konnossementzwecks Verfügung über das Getreide ausliefern. Grund dieserStellung Berlins , als Reservoirs russischer Wechsel, sind dieseit alters bestehenden Beziehungen zu Rufsland, welche eineBeurteilung der Kreditwürdigkeit der Wechselaussteller er-möglichen. Denn das Konnossement bietet keine Sicherheit,die von der Prüfung des Wechsels entbände, abgesehen davon,dafs es gefälscht sein kann. Während das Getreide schwimmt,hat die deutsche Volkswirtschaft es bereits bezahlt; der Russehat seine Rubel erhalten. Er wird also, um nicht in Währungs-spekulation zu kommen, schon zur Zeit, da er das Geschäftabschliefst und kalkuliert, eine Goldtratte auf den Terminverkaufen, da das Getreide abgeht, oder was gleich ist, an derBörse (in unserem Fall im August auf Dezember) Rubel kaufen.
Hinsichtlich des Einfuhrhandeis nach Rufsland istzunächst zu bemerken, dafs die Kursversicherung hier keines-wegs allgemein ausgebildet ist. In manchen Fällen ist derEingang der Zahlung so unsicher, dafs an Kursversicherungüberhaupt nicht gedacht werden kann. Wo die Preise inRubel gestellt sind, trägt das volle Risiko alsdann der euro-päische Exporteur oder Fabrikant. Derselbe versucht diese
1 So Borgius, Mannheim und die Entwicklung des südwest-deutschen Getreidehandels. Volkswirtschaftliche Studien der badischenUniversitäten. Band II. Freiburg 1899, S. 65.