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Gefahr öfters dadurch von sich abzuwälzen, dafs er die Rech-nung in Reichsmark stellt. Freilich, nicht immer verfängtdieses Mittel; ein am Ausfuhrhandel nach Rufsland hervor-ragend beteiligter deutscher Industrieller erzählte mir, dafsbei niederen Rubelkursen der russische Geschäftsfreund ebeneinfach die Zahlung aufschiebe, bis der Rubelkurs für ihngünstiger geworden sei. Es gilt dies vom mittleren und Klein-geschäft, insbesondere direkt mit dem Konsumenten, in vielenFällen noch heute.
Gröfsere Sicherheit findet der europäische Industrielle oderExporteur dadurch, dafs ein russisches Einfuhrhaus zwischenihn und den Verbraucher, bezw. den Kleinkaufmann tritt.Solche Einfuhrhäuser scheinen in manchen Branchen aus dem„Agenten", d. h. dem in den russischen Westprovinzen meistjüdischen Schlepper sich entwickelt zu haben, der dem fremdenHandlungsreisenden wegen Sprache und Lokalkenntnis meistunentbehrlich ist. So schliefst z. B. bei der Einfuhr landwirt-schaftlicher Maschinen der mifsbräuchlich sogenannte „Agent"häufig auf eigene Rechnung mit dem deutschen Industriellenab und vertreibt die Ware auf eigene Gefahr an die um-wohnenden Landwirte; dieses Verhältnis verliert auch dadurchseine Natur nicht, dafs der Agent für den weitgehenden Kredit,den er in Anspruch nimmt, öfters die von seinem Kunden er-haltenen langfristigen Solawechsel dem deutschen Ausfuhrhausein Faustpfand giebt.
Wo immer auch nur mit einiger Sicherheit auf die Ein-gänge zu rechnen ist, setzt dagegen auch beim Einfuhrhandeldie Kursversicherung ein.
Kursversicherung nimmt der deutsche Industrielle oderExporteur, wenn er in Rubeln verkauft, was nicht selten derFall ist. Der deutsch-russische Handel bedient sich nämlichkeineswegs ausschliefslich der Goldvaluta, wie Zielinski an-nimmt 1 . So schreibt mir z. B. ein bekanntes ostdeutschesKolonialwarenhaus: „Nicht nur die russische, sondern auchdie polnische Kundschaft läfst sich am liebsten in Rubeln
1 So Zielinski a. a. 0. Heft 5, S. 607.