— 513 —
die Kursschwankungen zu mildern. Damit ist jedoch einegleiche Wirkung des Termingeschäftes noch nicht für alleEffekten, geschweige denn für den Notenmarkt nachgewiesen.
Ferner: sollte für einen Valutamarkt die Milderung oderVerschärfung der Kursschwankungen durch die Spekulationnachgewiesen sein, so hat man kein Recht, dieses Ergebnis ohneweitere Nachprüfung auf andere Märkte zu übertragen. Bei-spielsweise behauptet Kramar§ 1 , dafs die Devisenspekulationin Wien die Kursschwankungen der österreichischen Valuta be-deutend verschärft habe. Er beruft sich dafür auf Erfahrungender 40er, 50er und Anfangs der 60er Jahre. Diese Erfah-rungen sind jedenfalls schon um deswillen nicht ohne weiteresauf die Gegenwart zu übertragen, weil Telegraph und Tele-phon seitdem die Effektenarbitrage und damit die Aus-gleichung der internationalen Zahlungsbilanzen aufserordentlichvervollkommnet haben.
Festzustehen hinsichlich des Rubels scheint zunächstfolgendes: Bei der eigentümlichen Periodicität des Ausfuhr-und Einfuhrhandels, wie der Zinszahlung an das Auslandfallen Angebot und Nachfrage nach Valuta zeitlich auseinander.Ausgleichend wirkt hier u. a., z. B. neben Finanzziehungender Banken, zweifellos die Spekulation in Valuta. Rufslandhat z. B. Geld im Herbst, braucht dagegen Geld zur Zeit derMesse von Nischni-Nowgorod; aber zu letzterer Zeit anticipiertdie Börse bereits die kommende Ernte, was daraus hervor-geht, dafs gerade in diesen Tagen die Erntenachrichten dengröfsten Einflufs auf den Rubelkurs ausüben. Der Rubel hatnicht nach Jahreszeiten geschwankt.
Auf der anderen Seite darf ein berechtigter Kern derrussischen Anklagen gegen die Berliner Rubelbörse nicht ge-leugnet werden. An derselben trieb eine Menge sog. „kapital-loser Intelligenz" ihr Wesen, welche zu schwach war, gegen-über der von stärkerer Seite ausgegebenen Parole eigeneTendenzen aufrecht zu erhalten. Dafs es sich hierbei oft umKapitallosigkeit ohne Intelligenz gehandelt hat, geht daraus