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hervor, dafs, wie mir ein guter Sachkenner versicherte, Leutein Rubeln spekuliert haben, welche „knapp wufsten, wo Rufs-land liegt." Solche Schlachtenbummler der Börse werfen beieintretender Baisse die Flinte schneller ins Korn, als derkräftige Spekulant, der manches erlebt hat; während jene diebleiche Angst ergreift, spannt dieser den Regenschirm desKredits auf, um durch das schlechte Wetter durchzukommen.
Schlimmer noch wirkt dieses Mitlaufen von Leuten, „welchefast nur mit einer guten Lunge, Notizbuch und Bleistift aus-gerüstet sind" 1 zu Zeiten erregter Spekulation und erhitzterFantasie: hier kann es geradezu phantastische Kurssteigerungenhervorbringen, die eben so schnell in sich zusammenbrechen.Sollte die Berliner Rubelbörse, was ich nicht genügend beur-teilen kann, aber dem Eindruck gewiegter Sachkenner ent-spricht, die „kursausgleichende Aufgabe" des Termingeschäftesnur unzulänglich erfüllt haben, so hängt dies mit ihrem nichtgerade rühmlichen „demokratischen" Charakter zusammen, derbei manchem ihrer Besucher an das Proletarische heranstreifte.
Die zweite der oben aufgeworfenen Fragen war die derEinwirkung der Rubelbörse auf die materielle Kursentwick-lung, die durchschnittliche Kurslinie.
Zunächst ist die naive Vorstellung abzuweisen, welche inder russischen Presse und Fachlitteratür öfters auftauchte, alsob die Berliner Rubelbörse eine Verschwörung dargestellt habe,um den Kurs des Rubels zu drücken. Selbstverständlichhaben die Spekulanten nur ein Interesse, nämlich zu ver-dienen, was sie ebenso können, ob die Kurse steigen oderfallen. Jene Meinung glich dem Irrtum des Frierenden, derdie Kälte dem Thermometer zur Last legt; wenn man zurHebung des Rubelkurses die Zerstörung dieser Börse anstrebte,so glich dies der Hoffnung, durch Zertrümmerung des Mefs-apparats Wärme erzeugen zu können. Sollten bei der Spe-kulation die Verkaufstendenzen zeitweise überwogen haben,so ist zu bedenken, dafs sie die Contrepartie des Warenhandels