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drücklich feststellt, „den Export von Rubelnoten thatsächlichunmöglich zu machen 1 ."
Die jungen Leute der deutschen Banken, welche inWarschau und Petersburg Rubel für die Liquidationszweckeder Berliner Börse holten, wurden beobachtet; es wurde fest-gestellt, wo und wie viel Rubel sie erhoben; an der Grenzewurden sie körperlich untersucht; ja es soll vorgekommen sein,dafs Schneebälle, deren Kern aus Rubelnoten bestand, überdie preufsische Grenze geflogen sind.
Nach diesen vorbereitenden Schritten gelang der ent-scheidende Schlag bei der berühmten Oktoberliquidation desJahres 1894. Das seit lange dem russischen Finanzministerverbündete Berliner Bankhaus von Mendelssohn war in alleVerkäufe von Rubeln als Käufer eingetreten und fordertevon der stark engagierten Baissepartei Erfüllung in natura.Da Rubelnoten aus Rufsland nicht zu beziehen waren, so stiegder Deport auf 15 Mark pro 100 Rubel. Die Liquidationwurde nun einige Tage aufgeschoben und durch die Ver-mittelung von Mendelssohn der russische Finanzminister auf-gefordert, das Reugeld für die nicht erfolgte Lieferung zufixieren. Derselbe bewilligte die Ausfuhr von 3 Millionen Rubel-noten zum Kurse von 234, während die Baissiers zu 220 ver-kauft hatten
Die Berliner Börse verschmähte es, jenen höchst ein-fachen, aber der kaufmännischen Ehre widersprechenden Wegeinzuschlagen, das Ausfuhrverbot als vis major zu erklärenund Lieferung in St. Petersburg zuzulassen; die Stimmen,welche in dieser Richtung sich äufserten, wurden einfachüberhört. Insofern ist jene Niederlage zugleich ein Ehren-titel in der Geschichte der Berliner Börse .
Hiermit war die Form der Rubelspekulation mit einemSchlage zerbrochen; aber das wichtigere war, dafs zu gleicher
1 a. a. 0. S. 266.
2 Näheres über diese Episode findet sich bei Raffalovich,Marchö financier 1894/95, S. 235 ff. Die Angabe eines Deports von20 Mk. ist irrtümlich, der höchst bezahlte Deport betrug 15 Mk.