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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
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Rubelkurse enthalten. Erst seit Anfang der 90er Jahre isthierin eine Veränderung eingetreten. So hat schon Wischne-gradski 1890, als der Kurs über das der neuen Währung zuGrunde zu legende Verhältnis von 1 Rubel Gold = IIa RubelKredit gestiegen war, Goldtratten angekauft. Dadurch wurdedem weiteren Steigen des Kurses entgegengewirkt 1 .

Umgekehrt hat 1892 zur Zeit der Mifsernte und desGetreideausfuhrverbots das russische Finanzministerium durchGoldtrattenverkäufe dem Sinken des Rubelkurses entgegen-gewirkt, insbesondere aber seine Trattenkäufe zu Zinszahlungs-zwecken an das Ausland während längerer Zeit eingestellt.

Seit Mitte April 1895 publiziert die russische Reichsbankregelmäfsig die Kurse, zu denen sie Goldtratten kauft undverkauft, und nach diesen Preisen richten sich die Börsen-preise 2 . Seitdem ist der Rubelkurs thatsächlich festgelegt,obgleich auch in den letzten Jahren politische und andereEreignisse genug eingetreten sind, welche unter früheren Ver-hältnissen den Kurs stark beinflufst hätten.

Fragen wir nach den Gründen dieses heutigen Erfolgesim Gegensatz zu den früheren Mifserfolgen:

Die einstigen Versuche der Kursfestigung waren zunächstgescheitert an den unzureichenden Metallbeständen, mit denensie unternommen waren. Als die russische Regierung in den90er Jahren an die gleiche Aufgabe herantrat, besafs sie einenGoldvorrat, welcher an die Höhe der umlaufenden Notenheranstreifte. Im Dezember 1896 überstieg der Goldbesitzder Regierung bereits die vorhandene Papiergeldmenge 8 .Dieser riesige Goldvorrat, zum Teil mit Budgetüberschüssenangekauft, zum Teil das Ergebnis von verzinslichen Anleihen,beruhte jedenfalls nicht auf einer Vermehrung von Papiergeld.Vielmehr hatte sich das Papiergeld seit dem Orientkriegeziemlich auf gleicher Höhe gehalten, ja verringert. Die Menge

1 ßaffalovich, Marchd financier 1892/93, S. 68.

2 Theodor von Buck, Nation 1896. Nr. 20. S. 308.

3 So Issajeff, Zur Politik des russischen Finanzministeriums.

Stuttgart 1898, S. 18.