— 544 —
unter gröfstem Widerspruch und in langsamer Erziehungsarbeitverwirkliche worden; Frankreich ist noch heute nicht dazu ge-langt, und Italien mufste die nach englisch -deutschem Musterausgedachte Einkommensteuer wegen mangelnder Qualifikationder Censiten in ein teilweises Ertragssteuersystem zurückbilden.
Aufserordentlich beträchtlich ist die ziffernmäfsige Steige-rung der Einnahmen aus den Eigenbetrieben desStaates.
An der Spitze stehen hier die Eisenbahneinnahmen,eine Folge der fortschreitenden Eisenbahnverstaatlichung 1 . Dadiesem Posten jedoch die Zinsen und die Amortisation derEisenbahnschuld gegenüberstehen, so ist die finanzielle Wirkungder Eisenbahnverstaatlichung zunächst eine mehr mittelbare:das Aktivum eines riesigen Eisenbahnbesitzes hebt schon heuteden Kredit des Staates. In Zukunft, voraussichtlich naher Zu-kunft, dürften auch beträchtliche Überschüsse unter diesemTitel zu erwarten sein. Der wachsende Verkehr hebt dieReineinnahmen.
Ich entnehme in dieser Hinsicht einige interessante Datender Zusammenstellung des General Borkofski für die gesamt-russische Ausstellung in Nischni-Nowgorod 1895.
In den Jahren 1880 — 1894 hat sich der Personenverkehrum 52%, der Warenverkehr um 103 °/o vermehrt. Für letztereSteigerung kamen vornehmlich folgende Massengüter in Be-tracht: Getreide, Steinkohle, Naphtha, Holz. Die Kosten desWarentransportes haben pro beförderte Einheit um 29% ab-genommen, die des Personenti-ansportes um 12%. LetzteresErgebnis ging Hand in Pland mit einer aufserordentlichen Herab-setzung der Personentarife. Man reist wohl in keinem Landeder Welt für weite Entfernungen so billig wie in Rufsland —ein Umstand, der auch politisch für die Zusammenschmelzungdes Riesenreiches von Bedeutung ist.
1 Nach dem Bulletin Russe 1898, S. 401 waren am 1. Okt. 1898von 42000 km Eisenbahnen in Rufsland 28000 km Staatsbahn. Anfang1887 gab es in Rufsland erst 4500 km Staatsbahn. Vergl. auch Bul-letin Russe 1897, S. 644.