— 546 —
Bahn-, Hafen- und Kanalbauten zur Voraussetzung; immerhinist deren Herstellung nur eine Frage der Zeit. Durch Er-öffnung der Balm von Petersburg nach Archangel wurde derAnfang zur Erschliefsung des Nordens gemacht. Hierzu kamder Bau eines eisfreien Hafens an der Murmankttste — aller-dings wohl in erster Linie strategischen Zwecken dienend.Die wachsende Aufnahmefähigkeit Europas für Bauholz ver-bürgt dem gröfsten Waldbesitzer der Welt, dem russischenStaate, stetige, ja steigende Holzpreise 1 .
Während es sich bei Eisenbahn und Forsten immerhinmehr noch um Zukunftsaussichten handelt, beruht die Kräftigungder russischen Finanzen, welche wir seit Mitte der 80er Jahreerlebten, auf gewaltigem Mehrerträgnis der Verbrauchs-abgaben. Letztere sind auf lange hinaus das einzige Mittel,um das wechselnde Geldeinkommen des bäuerlichen Betriebes,des landwirtschaftlichen Wanderarbeiters, des Fabrikarbeiters,der breiten von Waldarbeit, Fischfang und Flufsschiffahrtlebenden Bevölkerungsschichten steuerlich zu fassen. UnterBerücksichtigung der gegebenen Verhältnisse wird man dieEntwicklung der indirekten Besteuerung für Rufsland um somehr als einen Fortschritt ansehen, als sie bei der Natur derbetroffenen Verbrauchsgegenstände den barsten Lebensunter-halt frei läfst (Beseitigung der Salzsteuer, dagegen freilich derEisenzoll!).
Das eigentliche Rückgrat der russischen Finanzen istdie gegenwärtig ziemlich verwickelte Besteuerung desBranntweins. Dieselbe setzt sich zusammen aus einerPatentsteuer, einer Fabrikatsteuer, einer Licenzgebtihr fürKleinverkauf, einer Steuer auf Likörfabrikate 2 . Seit 1895ist man daran, die bestehende Branntweinsteuer durch dasVerkaufsmonopol zu ersetzen, dessen Herrschaftsgebietgegenwärtig vom Osten nach dem Westen ausgedehnt wird.In den letzten Jahren gab der Branntwein auf Grund der
1 Näheres über die Zunahme der Einnahmen aus den Staatsforstengiebt Bulletin Russe 1897, S. 360—366.
2 Vergl. Janschull a. a. 0. S. 454 ff.