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Volkswirtschaftliche Studien aus Rußland / von Gerhart v. Schulze-Gävernitz
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Filipoff, wurde 18891892 ein Nominalkapital von 1,667 MillionenR. Kredit konvertiert, wobei die Goldrubel unter Zugrunde-legung des für das Budget 1892 angenommenen Kursesvon 1 Rubel Gold = 1 Rubel 60 Kop. Kredit berechnet sind.Diese Konversionen betrafen weit überwiegend Goldanleibenund kosteten dem Staate 1,705V2 Millionen R.; dagegen er-gaben die neuen Anleihen, einschliefslich des Betrages der vonden Besitzern nicht zur Rückzahlung eingereichten, sondernumgetauschten Stücke, 1,680 Millionen R., wonach der Staat25 i l-2 Millionen Rubel aus Budgetübersclmssen bestritten hat.Aufserdem hat Rufsland in jenem Zeitraum 143 MillionenKredit zur Tilgung von 79 Millionen Gold- und 24 MillionenPapieranleihen verwandt 1 .

Jedoch mufste Rufsland im März 1893 eine neue 4 1 /2°/oigePapieranleihe von 100 Millionen aufnehmen, um der Mifsernteund der Hungersnot zu begegnen. Immerhin war es ein zweifel-loser Erfolg der Pinanzverwaltung, dafs infolge der kurz vor-hergehenden Konversionen und Tilgungen die Notjahre mitihren Ausgaben für Volksernährung und ihren Steuerrück-ständen das Budget mit Schuldzinsen nicht wesentlich be-lasteten.

Nach einer kurzen Unterbrechung wurde 1893 und in denfolgenden Jahren von Witte, dem Nachfolger Wischnegradski's,die Konversionspolitik fortgesetzt, nunmehr vorwiegend Papier-anleihen betreifend. Im Jahre 1894 hat Rufsland über eineMilliarde 5°/oige Papieranleihen in 4°/'o ewige Rente ver-wandelt ; an Zins und Amortisation ergab diese Mafsregel einejährliche Ersparnis von 23,2 Millionen R. 2 . Im selben Jahre

1 Vergl. Lorini a. a. 0. S. 71. Raffalovich, Marchd financier1893/94 S. 156.

2 Näheres über die Konversion der Orientanleihen in 4°/o Rentefindet sich im Bulletin Russe 1897, S. 97. Bei der fakultativenKonversion vom 26. April bis 14. Mai 1894 wurden von 967 MillionenRubel Nominalkapital 882 Millionen bei russischen Banken zur Um-wechslung präsentiert, nur je 38 in Frankreich und Deutschland einBeweis dafür, dafs die Orientanleihen damals zum weit überwiegendenTeile nach Rufsland zurückgeflossen waren.